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Weniger Gefühle für das Auto?

Coolness, Männlichkeit, Freiheit: Die Werbung hat Autos schon immer mit vielen Emotionen verbunden. Doch immer mehr Leute sehen Autos inzwischen nüchterner und denken eher praktisch.

„Ich spare dadurch viel Zeit – das ist Freiheit und deshalb ist das Auto für mich wichtig“, findet ein junger Smartfahrer auf einem Kölner Drive-In Parkplatz einer Burgerkette. Gefragt zu ihren Gefühlen fürs Auto betonen die meisten hier praktische Aspekte. „Es muss groß genug sein, damit alle reinpassen“, erklärt ein 53-jähriger SUV-Fahrer, dessen drei Kinder nach dem Restaurantbesuch gerade einsteigen. „Als ich jünger war, da war das Auto für mich noch irgendwie emotionaler. Mittlerweile geht es eher ums Praktische.“ Eine andere Fahrerin betont, dass sie nur fährt, wenn es nötig sei. „Und der nächste wird ein E-Auto.“

Wichtig sei auch „der private Raum im Auto“ unterwegs, so drei junge Männer. Wegen der hohen Spritpreise könnten sie sich aber inzwischen auch den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel vorstellen. Busse und Bahnen würden immer schöner „und in zehn oder 15 Jahren ist der ÖPNV bestimmt kostenlos.“

„Ich spare dadurch viel Zeit – das ist Freiheit und deshalb ist das Auto für mich wichtig“, findet ein junger Smartfahrer auf einem Kölner Drive-In Parkplatz einer Burgerkette. Gefragt zu ihren Gefühlen fürs Auto betonen die meisten hier praktische Aspekte. „Es muss groß genug sein, damit alle reinpassen“, erklärt ein 53-jähriger SUV-Fahrer, dessen drei Kinder nach dem Restaurantbesuch gerade einsteigen. „Als ich jünger war, da war das Auto für mich noch irgendwie emotionaler. Mittlerweile geht es eher ums Praktische.“ Eine andere Fahrerin betont, dass sie nur fährt, wenn es nötig sei. „Und der nächste wird ein E-Auto.“

Bis vor 100 Jahren gingen die meisten Menschen zu Fuß, oder nutzen Pferd, Eisen- oder Straßenbahn. Erst um 1910 kauften reiche Bürger die ersten Autos. Mit der Massenproduktion waren sie nach dem zweiten Weltkrieg für immer mehr Menschen erschwinglich und Autos wurden ein Symbol für Wohlstand.

Warum wurde das Auto so wichtig?

„Symbolisch dafür stehen die 1970er-Jahre. Mein Haus, mein Pool und mein Auto“, beschreibt Stefan Gössling die damalige Situation in vielen Industrieländern. Gössling ist Professor für Tourismus an der Universität Linnaeus in Schweden und Buchautor von „The Psychology of the Car“.

Die Bedeutung des Autos als Statussymbol sei aber auch heute noch sehr groß und vor allem in den ländlichen Regionen von Europa deutlich. „Wir sehen eine Aufrüstung auf dem Land. Dort haben Leute mittlerweile drei statt zwei PKW und der Nachbar guckt immer noch: Was hat denn der andere jetzt? Ein neues Auto?“

Inzwischen ist das Auto in vielen Ländern das wichtigste Transportmittel. In Deutschland werden „57 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt und 75 Prozent aller Personen-Kilometer“, sagt die Verkehrsexpertin und Psychologin Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt.

Wichtig sei für viele Menschen aber nicht nur der reine Transport. „Das ist eine Art Kostüm. Man kann sich durch ein Auto von anderen unterscheiden, es fungiert als soziales Signal nach außen mit Eigenschaften wie Freiheit, Stärke und Kontrolle.“ Für viele sei wichtig „das Lenkrad selbst in der Hand zu haben, selbst aktiv zu sein. Das ist ein positiver Effekt für das Selbstbewusstsein. Der Fahrer, die Fahrerin hat das Geschehen selbst in der Hand.“

Autos spielen in vielen Filmen eine wichtige Rolle. Fahrten mit Rad, Zug oder Bus sind dort eher die Ausnahme, das Auto ist am meisten präsent. Das sei eine problematische Verzerrung der Wirklichkeit, betont Dziekan. „Medien haben eine Wirkung auf Menschen, auf deren Denken und deren Auffassung von Realitäten. Dann verstärkt sich das.“

Die Autowerbung zielt laut Gössling stark auf diffuse Ängste. „Wir sehen Autos unterwegs in dystopischen Umwelten. Da explodieren Berge, da fährt man durch Wüsten. Das sind alles nicht normale Situationen. Dort wird die Botschaft platziert, dass jede Situation mit dem Auto gemeistert werden kann.“ Das Auto stehe in der Werbung für die Lösung, für Sicherheit unterwegs, „egal was kommt“, so Gössling. 

Mit der Werbung werden auch gezielt bestimmte Menschengruppen angesprochen. Große Autos vermitteln das Gefühl von Sicherheit, schnelle Wagen das Gefühl von Vitalität. „Da wird zum Beispiel ein bestimmtes Dominanzverhalten normalisiert und legitimiert“, so Gössling. „Es kann auch sein, dass eine Autowerbung an eine Persönlichkeitsstörung appelliert, zum Beispiel an einen narzisstischen Autofahrer. Er wird darin bestärkt genau ein bestimmtes Modell zu wählen. Durch das Anklicken bestimmter Trigger wird dann bei potenziellen Käufern der Impuls ausgelöst, dieses Auto zu kaufen.“

2017 wurden weltweit 80 Millionen PKW neu zugelassen, mehr als je zuvor. 2019 waren es sechs Prozent weniger und 2020, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, sogar 20 Prozent weniger. Prognosen vom letzten Jahr gehen davon aus, dass in Asien die Verkaufszahlenden wieder auf das Niveau vor der Pandemie ansteigen, in Europa jedoch langfristig weniger PKW verkauft werden als früher. Vor allem in europäischen Städten beobachtet Gössling ein Umdenken. „38 Prozent der Haushalte in den deutschen Großstädten haben kein Auto mehr. Das ist eine freiwillige Wahl. Da ist das Auto eher eine Belastung geworden.“

Der 59-jährige Volker Marten ist einer von ihnen, seit 2015 hat er kein eigenes Auto mehr. Bis dahin hatte er immer eins, seit ihm die Eltern zum 18. Geburtstag einen VW Käfer geschenkt hatten. „Das Auto war für mich selbstverständlich und ich bin gerne Auto gefahren. Durch das Bewusstsein für die Umwelt habe ich dann umgedacht“, erzählt Marten, der zusammen mit seiner Frau in Bielefeld lebt, einer Stadt mit 330.000 Einwohnern. „Wir wollten ausprobieren, ob es ohne Auto geht und es hat super geklappt. Wir sparen eine Menge Geld. Im Vergleich zu früher haben sich unsere Kosten etwa halbiert.“

Mit dem Fahrrad oder dem Zug kämen beide überall gut hin, sonst gibt es Leihwagen. „Wir haben zwei Carsharing-Stationen in der Nachbarschaft. Uns fehlt nichts.“

Steigende Preise für fossile Kraftstoffe, die Klimakrise und die Vorgaben für weniger Autos in den Städten verändern die Mobilität. „Wir haben einen großen Konsens in der Gesellschaft, dass Dinge sich ändern müssen. Nicht nur, weil wir das wollen, sondern weil sich auch die geopolitische Lage verändert hat. Die Bedingungen für ein sehr energieintensives Leben sind nicht mehr gegeben. Wir werden umdenken müssen“, sagt Gössling.

Autos werden laut Verkehrsexperten künftig an Bedeutung verlieren und andere Verkehrsmittel zugleich aufgewertet. Auch werde der eigene Autobesitz durch Carsharing-Angebote und autonome Fahrdienste unattraktiver. „Die Rolle des Autos wird sich so etwas verschieben“, prognostiziert Dziekan. „Ein Auto wird dann eher als ein Transportmittel gesehen und ist nicht mehr so stark mit Gefühlen aufgeladen.“

Ein Mann mit Maske sitzt in einer Straßenbahn in Stuttgart und liest auf seinem Handy
Autos vor Reihenhäusern in Berlin
Elton John vor mehreren Luxus-Autos

„Ich spare dadurch viel Zeit – das ist Freiheit und deshalb ist das Auto für mich wichtig“, findet ein junger Smartfahrer auf einem Kölner Drive-In Parkplatz einer Burgerkette. Gefragt zu ihren Gefühlen fürs Auto betonen die meisten hier praktische Aspekte. „Es muss groß genug sein, damit alle reinpassen“, erklärt ein 53-jähriger SUV-Fahrer, dessen drei Kinder nach dem Restaurantbesuch gerade einsteigen. „Als ich jünger war, da war das Auto für mich noch irgendwie emotionaler. Mittlerweile geht es eher ums Praktische.“ Eine andere Fahrerin betont, dass sie nur fährt, wenn es nötig sei. „Und der nächste wird ein E-Auto.“

Wichtig sei auch „der private Raum im Auto“ unterwegs, so drei junge Männer. Wegen der hohen Spritpreise könnten sie sich aber inzwischen auch den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel vorstellen. Busse und Bahnen würden immer schöner „und in zehn oder 15 Jahren ist der ÖPNV bestimmt kostenlos.“

Warum wurde das Auto so wichtig?

Bis vor 100 Jahren gingen die meisten Menschen zu Fuß, oder nutzen Pferd, Eisen- oder Straßenbahn. Erst um 1910 kauften reiche Bürger die ersten Autos. Mit der Massenproduktion waren sie nach dem zweiten Weltkrieg für immer mehr Menschen erschwinglich und Autos wurden ein Symbol für Wohlstand.

„Symbolisch dafür stehen die 1970er-Jahre. Mein Haus, mein Pool und mein Auto“, beschreibt Stefan Gössling die damalige Situation in vielen Industrieländern. Gössling ist Professor für Tourismus an der Universität Linnaeus in Schweden und Buchautor von „The Psychology of the Car“.

Die Bedeutung des Autos als Statussymbol sei aber auch heute noch sehr groß und vor allem in den ländlichen Regionen von Europa deutlich. „Wir sehen eine Aufrüstung auf dem Land. Dort haben Leute mittlerweile drei statt zwei PKW und der Nachbar guckt immer noch: Was hat denn der andere jetzt? Ein neues Auto?“

Inzwischen ist das Auto in vielen Ländern das wichtigste Transportmittel. In Deutschland werden „57 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt und 75 Prozent aller Personen-Kilometer“, sagt die Verkehrsexpertin und Psychologin Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt.

Filme und Werbung verstärken emotionale Bindung

Wichtig sei für viele Menschen aber nicht nur der reine Transport. „Das ist eine Art Kostüm. Man kann sich durch ein Auto von anderen unterscheiden, es fungiert als soziales Signal nach außen mit Eigenschaften wie Freiheit, Stärke und Kontrolle.“ Für viele sei wichtig „das Lenkrad selbst in der Hand zu haben, selbst aktiv zu sein. Das ist ein positiver Effekt für das Selbstbewusstsein. Der Fahrer, die Fahrerin hat das Geschehen selbst in der Hand.“

Mehr oder weniger Autos in der Zukunft?

Autos spielen in vielen Filmen eine wichtige Rolle. Fahrten mit Rad, Zug oder Bus sind dort eher die Ausnahme, das Auto ist am meisten präsent. Das sei eine problematische Verzerrung der Wirklichkeit, betont Dziekan. „Medien haben eine Wirkung auf Menschen, auf deren Denken und deren Auffassung von Realitäten. Dann verstärkt sich das.“

Die Autowerbung zielt laut Gössling stark auf diffuse Ängste. „Wir sehen Autos unterwegs in dystopischen Umwelten. Da explodieren Berge, da fährt man durch Wüsten. Das sind alles nicht normale Situationen. Dort wird die Botschaft platziert, dass jede Situation mit dem Auto gemeistert werden kann.“ Das Auto stehe in der Werbung für die Lösung, für Sicherheit unterwegs, „egal was kommt“, so Gössling. 

Mit der Werbung werden auch gezielt bestimmte Menschengruppen angesprochen. Große Autos vermitteln das Gefühl von Sicherheit, schnelle Wagen das Gefühl von Vitalität. „Da wird zum Beispiel ein bestimmtes Dominanzverhalten normalisiert und legitimiert“, so Gössling. „Es kann auch sein, dass eine Autowerbung an eine Persönlichkeitsstörung appelliert, zum Beispiel an einen narzisstischen Autofahrer. Er wird darin bestärkt genau ein bestimmtes Modell zu wählen. Durch das Anklicken bestimmter Trigger wird dann bei potenziellen Käufern der Impuls ausgelöst, dieses Auto zu kaufen.“

Weniger Gefühle für das Auto?

2017 wurden weltweit 80 Millionen PKW neu zugelassen, mehr als je zuvor. 2019 waren es sechs Prozent weniger und 2020, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, sogar 20 Prozent weniger. Prognosen vom letzten Jahr gehen davon aus, dass in Asien die Verkaufszahlenden wieder auf das Niveau vor der Pandemie ansteigen, in Europa jedoch langfristig weniger PKW verkauft werden als früher. Vor allem in europäischen Städten beobachtet Gössling ein Umdenken. „38 Prozent der Haushalte in den deutschen Großstädten haben kein Auto mehr. Das ist eine freiwillige Wahl. Da ist das Auto eher eine Belastung geworden.“

Der 59-jährige Volker Marten ist einer von ihnen, seit 2015 hat er kein eigenes Auto mehr. Bis dahin hatte er immer eins, seit ihm die Eltern zum 18. Geburtstag einen VW Käfer geschenkt hatten. „Das Auto war für mich selbstverständlich und ich bin gerne Auto gefahren. Durch das Bewusstsein für die Umwelt habe ich dann umgedacht“, erzählt Marten, der zusammen mit seiner Frau in Bielefeld lebt, einer Stadt mit 330.000 Einwohnern. „Wir wollten ausprobieren, ob es ohne Auto geht und es hat super geklappt. Wir sparen eine Menge Geld. Im Vergleich zu früher haben sich unsere Kosten etwa halbiert.“

Mit dem Fahrrad oder dem Zug kämen beide überall gut hin, sonst gibt es Leihwagen. „Wir haben zwei Carsharing-Stationen in der Nachbarschaft. Uns fehlt nichts.“

Steigende Preise für fossile Kraftstoffe, die Klimakrise und die Vorgaben für weniger Autos in den Städten verändern die Mobilität. „Wir haben einen großen Konsens in der Gesellschaft, dass Dinge sich ändern müssen. Nicht nur, weil wir das wollen, sondern weil sich auch die geopolitische Lage verändert hat. Die Bedingungen für ein sehr energieintensives Leben sind nicht mehr gegeben. Wir werden umdenken müssen“, sagt Gössling.

SUV vor einem Haus in den USA

Autos werden laut Verkehrsexperten künftig an Bedeutung verlieren und andere Verkehrsmittel zugleich aufgewertet. Auch werde der eigene Autobesitz durch Carsharing-Angebote und autonome Fahrdienste unattraktiver. „Die Rolle des Autos wird sich so etwas verschieben“, prognostiziert Dziekan. „Ein Auto wird dann eher als ein Transportmittel gesehen und ist nicht mehr so stark mit Gefühlen aufgeladen.“

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