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Autos umrüsten auf E-Antrieb: Lohnt sich das?

E-Autos werden immer beliebter, doch der Neukauf ist teuer. Rechnet sich der Umbau auf Elektroantrieb für gebrauchte Benziner oder Diesel? Wie funktioniert das Umrüsten bei Oldtimern, LKWs oder Bussen?

„Die Umrüstung von Dieselbussen auf E-Antrieb fasziniert nicht nur technisch, sondern macht auch wirtschaftlich für alle Seiten Sinn“, sagt Hans-Georg Herb, Chef der Firma Elerra in Erfurt. Die Firma ist auf den Umbau von Fahrzeugen auf Elektroantrieb spezialisiert. In der Werkstatt steht aufgebockt ein 10 Jahre alter Linienbus. Der große Dieselmotor wurde schon ausgebaut. Auf dem Boden liegt der neue Antrieb: eine Hinterradachse mit zwei sehr effizienten Elektromotoren in den Felgen. „Das wirkt sehr simpel, ist aber Hightech“, erklärt Herb.

Die neue Achse wird gleich eingebaut und im früheren Motorraum gibt es nun genug Platz für Batterien. „Hier können wir acht Batteriepacks mit einer Kapazität von 200 Kilowattstunden einbauen. Damit kann dann der Bus eine Strecke von ungefähr 250 Kilometer fahren.“

„Die Umrüstung von Dieselbussen auf E-Antrieb fasziniert nicht nur technisch, sondern macht auch wirtschaftlich für alle Seiten Sinn“, sagt Hans-Georg Herb, Chef der Firma Elerra in Erfurt. Die Firma ist auf den Umbau von Fahrzeugen auf Elektroantrieb spezialisiert. In der Werkstatt steht aufgebockt ein 10 Jahre alter Linienbus. Der große Dieselmotor wurde schon ausgebaut. Auf dem Boden liegt der neue Antrieb: eine Hinterradachse mit zwei sehr effizienten Elektromotoren in den Felgen. „Das wirkt sehr simpel, ist aber Hightech“, erklärt Herb.

Je nach Batteriegröße kostet der Umbau pro Bus etwa 300.000 bis 340.000 Euro, sagt Herb. Das rechnet sich, denn neue E-Busse kosten rund doppelt so viel.

E-Busse fahren günstiger

In den nächsten Jahren will Herb weitere Linienbusse umrüsten: „Drei Busse werden wir in diesem Jahr schaffen“. Im nächsten Jahr sollen hier in der Werkstatt 60 bis 70 gebrauchte Dieselbusse einen E-Antrieb bekommen und 2023 in Kooperation mit Partnerwerkstätten sogar 200 bis 300.

Die Nachfrage nach Batteriebussen für den Stadtverkehr ist durch EU-Vorgaben groß. Mehr als die Hälfte aller neuen Stadtbusse sollen in den kommenden Jahren elektrische Antriebe haben, das sind nach Schätzungen pro Jahr mehr als 3000 allein in Deutschland und mehr als 15.000 E-Busse in der EU. Die großen Hersteller kommen mit dem Bau neuer E-Busse derzeit nicht schnell genug nach. Für die Verkehrsunternehmen sind E-Busse im Betrieb lukrativ, da sie weniger Wartungen brauchen und das Fahren mit Strom im Vergleich zum Diesel inzwischen bis zu 60 Prozent günstiger ist.  

Herb rechnet darum mit einer stark steigenden Nachfrage für den Umbau von Dieselbussen und das auch weltweit. Sinkende Batteriepreise und zunehmende Massenfertigung von Komponenten wie elektrischen Radnarbenmotoren machten die Umbauten attraktiver. Dadurch würden sich die Umbaukosten etwa halbieren, so Herb. „Ich könnte mir vorstellen, dass über die Hälfte der heute fahrenden Busse irgendwann umgerüstet sind. Wenn wir die Dekarbonisierung schaffen wollen, dann kriegen wir es ohne diese Umrüstungen nicht hin.“ 

Der Einbau von Elektromotoren ist grundsätzlich in allen Autos möglich: Verbrennungsmotor und Getriebe werden entfernt, dafür werden Elektromotor und Batterien eingebaut. Dazu kommt die elektronische Steuerung, die von Ingenieuren für jedes Fahrzeug speziell entwickelt werden muss.

Herb sammelte seine erste Erfahrung 2014 mit einem Porsche 911, den er in seinem Betrieb auf E-Antrieb umbauen ließ. Dann folgten andere ältere PKWs, Nutzfahrzeuge und nun Busse.

Bei einem Oldtimer kostet die Umrüstung rund 60.000 Euro, erklärt Herb und zeigt auf eine schwarzen Jaguar Daimler Limousine von 1993. „Der Kunde möchte ihn elektrifiziert haben. In diesem Fall wird es die alte Tesla-Technik mit Tesla Modulen.“

Bausätze mit Motor und Batterie kosten für Oldtimer mindestens 10.000 Euro, plus ein Arbeitsaufwand von mehr als 100 Stunden. Wer alles selbst einbauen kann, spart viel Geld und kann sich auch von Firmen wie Elerra beraten lassen, damit die Abstimmung zwischen dem neuem Antrieb und dem alten Auto gelingt. Ökonomisch lohne sich der Umbau von Oldtimern jedoch nicht. „Oldtimer fahren in der Regel wenig und da spielen die Betriebskosten keine Rolle. Das Umrüsten ist eher ein Hobby.“

Zwei bis vier sehr unterschiedliche Anfragen für die Umrüstung bekommt Herbs Firma pro Woche. Das Umrüsten lohnt sich auch bei normalen PKW ökonomisch nicht, betont Herb. „Da fragen zum Beispiel auch Leute mit einem VW Polo. Dann sage ich: Wenn du dir einen VW E-Up kaufst, dann bekommst du den wesentlich günstiger und der ist wahrscheinlich viel besser im Vergleich zu unserem individuellen Zusammenbau. Es macht keinen Sinn einen VW Polo umzurüsten und das muss ich ganz vielen Leuten auch sagen.“ 

In Herbs Werkstatt stehen auch drei nagelneue LKW für den Umbau. Einer davon ist der Kleinlaster Fuso von Daimler und Mitsubishi, der bisher nur mit Verbrennungsmotor angeboten wird. Sie werden nun in der Werkstatt umgerüstet auf Allradantrieb mit E-Motoren, bekommen Batterien und eine speziell entwickelte Software, damit das Zusammenspiel gut funktioniert. „Diese Fahrzeuge sind sehr gut für den Winterdienst geeignet und deshalb machen wir hier eine Kleinserie von elektrisch betriebenen Allradfahrzeugen für die Innenstädte.“

Einige Werkstätten in Deutschland und anderswo in Europa bieten wie Herbs Firma nun solche Umbauten an und sammeln Erfahrungen in dem neuen Markt. Abnehmer sind vor allem europäische Kommunen, die die neuen EU-Klimaschutzvorgaben erfüllen müssen und zudem ihre Städte mit weniger Abgasen und Lärm aus Verbrennungsmotoren belasten wollen. Auch Lieferdienste wie zum Beispiel der US-amerikanische Paketzusteller UPS lassen immer mehr Zustellfahrzeuge umbauen.

 

Im Vordergrund eine neue Busachse mit integrierten Elektromotoren. Dahinter ein Linienbus aufgebockt.
Ein Mann zeigt auf den leeren Motorraum eines Jaguars.
Ein E Bus auf der Straße in Hamburg. Auf dem Busanzeiger steht Unser Beitrag für 1,5 Grad.

„Die Umrüstung von Dieselbussen auf E-Antrieb fasziniert nicht nur technisch, sondern macht auch wirtschaftlich für alle Seiten Sinn“, sagt Hans-Georg Herb, Chef der Firma Elerra in Erfurt. Die Firma ist auf den Umbau von Fahrzeugen auf Elektroantrieb spezialisiert. In der Werkstatt steht aufgebockt ein 10 Jahre alter Linienbus. Der große Dieselmotor wurde schon ausgebaut. Auf dem Boden liegt der neue Antrieb: eine Hinterradachse mit zwei sehr effizienten Elektromotoren in den Felgen. „Das wirkt sehr simpel, ist aber Hightech“, erklärt Herb.

Die neue Achse wird gleich eingebaut und im früheren Motorraum gibt es nun genug Platz für Batterien. „Hier können wir acht Batteriepacks mit einer Kapazität von 200 Kilowattstunden einbauen. Damit kann dann der Bus eine Strecke von ungefähr 250 Kilometer fahren.“

E-Busse fahren günstiger

Je nach Batteriegröße kostet der Umbau pro Bus etwa 300.000 bis 340.000 Euro, sagt Herb. Das rechnet sich, denn neue E-Busse kosten rund doppelt so viel.

In den nächsten Jahren will Herb weitere Linienbusse umrüsten: „Drei Busse werden wir in diesem Jahr schaffen“. Im nächsten Jahr sollen hier in der Werkstatt 60 bis 70 gebrauchte Dieselbusse einen E-Antrieb bekommen und 2023 in Kooperation mit Partnerwerkstätten sogar 200 bis 300.

Die Nachfrage nach Batteriebussen für den Stadtverkehr ist durch EU-Vorgaben groß. Mehr als die Hälfte aller neuen Stadtbusse sollen in den kommenden Jahren elektrische Antriebe haben, das sind nach Schätzungen pro Jahr mehr als 3000 allein in Deutschland und mehr als 15.000 E-Busse in der EU. Die großen Hersteller kommen mit dem Bau neuer E-Busse derzeit nicht schnell genug nach. Für die Verkehrsunternehmen sind E-Busse im Betrieb lukrativ, da sie weniger Wartungen brauchen und das Fahren mit Strom im Vergleich zum Diesel inzwischen bis zu 60 Prozent günstiger ist.  

Herb rechnet darum mit einer stark steigenden Nachfrage für den Umbau von Dieselbussen und das auch weltweit. Sinkende Batteriepreise und zunehmende Massenfertigung von Komponenten wie elektrischen Radnarbenmotoren machten die Umbauten attraktiver. Dadurch würden sich die Umbaukosten etwa halbieren, so Herb. „Ich könnte mir vorstellen, dass über die Hälfte der heute fahrenden Busse irgendwann umgerüstet sind. Wenn wir die Dekarbonisierung schaffen wollen, dann kriegen wir es ohne diese Umrüstungen nicht hin.“ 

Lohnt sich Umrüstung auch für PKW?

Der Einbau von Elektromotoren ist grundsätzlich in allen Autos möglich: Verbrennungsmotor und Getriebe werden entfernt, dafür werden Elektromotor und Batterien eingebaut. Dazu kommt die elektronische Steuerung, die von Ingenieuren für jedes Fahrzeug speziell entwickelt werden muss.

Umrüstung von Nutzfahrzeuge für Kommunen

Herb sammelte seine erste Erfahrung 2014 mit einem Porsche 911, den er in seinem Betrieb auf E-Antrieb umbauen ließ. Dann folgten andere ältere PKWs, Nutzfahrzeuge und nun Busse.

Bei einem Oldtimer kostet die Umrüstung rund 60.000 Euro, erklärt Herb und zeigt auf eine schwarzen Jaguar Daimler Limousine von 1993. „Der Kunde möchte ihn elektrifiziert haben. In diesem Fall wird es die alte Tesla-Technik mit Tesla Modulen.“

Bausätze mit Motor und Batterie kosten für Oldtimer mindestens 10.000 Euro, plus ein Arbeitsaufwand von mehr als 100 Stunden. Wer alles selbst einbauen kann, spart viel Geld und kann sich auch von Firmen wie Elerra beraten lassen, damit die Abstimmung zwischen dem neuem Antrieb und dem alten Auto gelingt. Ökonomisch lohne sich der Umbau von Oldtimern jedoch nicht. „Oldtimer fahren in der Regel wenig und da spielen die Betriebskosten keine Rolle. Das Umrüsten ist eher ein Hobby.“

Zwei bis vier sehr unterschiedliche Anfragen für die Umrüstung bekommt Herbs Firma pro Woche. Das Umrüsten lohnt sich auch bei normalen PKW ökonomisch nicht, betont Herb. „Da fragen zum Beispiel auch Leute mit einem VW Polo. Dann sage ich: Wenn du dir einen VW E-Up kaufst, dann bekommst du den wesentlich günstiger und der ist wahrscheinlich viel besser im Vergleich zu unserem individuellen Zusammenbau. Es macht keinen Sinn einen VW Polo umzurüsten und das muss ich ganz vielen Leuten auch sagen.“ 

In Herbs Werkstatt stehen auch drei nagelneue LKW für den Umbau. Einer davon ist der Kleinlaster Fuso von Daimler und Mitsubishi, der bisher nur mit Verbrennungsmotor angeboten wird. Sie werden nun in der Werkstatt umgerüstet auf Allradantrieb mit E-Motoren, bekommen Batterien und eine speziell entwickelte Software, damit das Zusammenspiel gut funktioniert. „Diese Fahrzeuge sind sehr gut für den Winterdienst geeignet und deshalb machen wir hier eine Kleinserie von elektrisch betriebenen Allradfahrzeugen für die Innenstädte.“

Einige Werkstätten in Deutschland und anderswo in Europa bieten wie Herbs Firma nun solche Umbauten an und sammeln Erfahrungen in dem neuen Markt. Abnehmer sind vor allem europäische Kommunen, die die neuen EU-Klimaschutzvorgaben erfüllen müssen und zudem ihre Städte mit weniger Abgasen und Lärm aus Verbrennungsmotoren belasten wollen. Auch Lieferdienste wie zum Beispiel der US-amerikanische Paketzusteller UPS lassen immer mehr Zustellfahrzeuge umbauen.

 

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