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Wie wir die Ozeane vor Klimawandel und Artensterben retten

Sie sind zu warm, zu sauer, voller Plastik und anderem Müll – und marine Leben ist bedroht. Wie können wir die Meere der Welt ausreichend schützen? Die UN-Ozean-Konferenz in Portugal sucht Antworten.

Die Menschheit hat die Ozeane des Planeten stark geschädigt, der Temperaturanstieg, zunehmende Übersäuerung und  Unmengen Plastikmüll bedrohen das Tiere und Pflanzen im Meer, und gefährliche Fangmethoden bedrohen zahlreiche Fischarten.

Die gute Nachricht: Treffen wir jetzt die richtigen Maßnahmen, könnte zumindest eine weitere Verschlimmerung noch aufgehalten werden.

Die Menschheit hat die Ozeane des Planeten stark geschädigt, der Temperaturanstieg, zunehmende Übersäuerung und  Unmengen Plastikmüll bedrohen das Tiere und Pflanzen im Meer, und gefährliche Fangmethoden bedrohen zahlreiche Fischarten.

Politische Entscheidungsträger treffen sich diese Woche in Portugal, um den Schutz der Ozeane voranzutreiben. Denn unsere Meere sind nicht nur die wichtigste Eiweißquelle für Milliarden von Menschen und die Grundlage für das Einkommen von Millionen von Menschen durch Tourismus und Fischerei. Sie sind auch eine wichtige Verteidigungslinie im Kampf gegen den Klimawandel.

Meeresschutz durch Begrenzung des Klimawandels

„Die Zeit läuft uns davon, aber wir noch können wir das Blatt wenden und in gesunde Ozeane zu investieren“, sagt Kristian Teleki, Ozeanexperte bei der gemeinnützigen Umweltorganisation World Resources Institute.

Eine der wirksamsten Lösungen zum Schutz der Ozeane besteht darin, die  Erwärmung des Planeten zu stoppen.

Ozeane absorbieren gut ein Viertel aller Kohlendioxidemissionen und speichern rund 90 Prozent der durch sie entstehenden Erwärmung. Gelingt es, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu anzuhalten, dem Pariser Klimaziel von 2015, wird mit einem Rückgang der Korallenriffe um „nur“ 70 bis 90 Prozent gerechnet. Erhitzt sich die Welt dagegen weiter, auf zwei Grad Celsius oder mehr, werden alle Korallen absterben.

Doch trotz einer Reihe von Versprechen zur Emissionsreduzierung seit dem Klimaabkommen von 2015 reichen die bisherigen Massnahmen nicht aus und die Welt rast auf einedeutlich höhere Erhitzung zu.

Um ihre Versprechen einzulösen, müssten die politischen Entscheidungsträger  einen schnellen Umbau aufsaubere Energiequellen umsetzten, den übermäßigen Energieverbrauch senken und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder erhalten. Außerdem müssten sie dringend Kohlekraftwerke abschalten und die Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasfelder einstellen.

Doch selbst bei einem sofortigen Stopp von CO2-Emissionen würden sich die Meere zunächst noch weiter aufheizen, ehe eine Trendwende einsetzt. Es dauert sehr lange, bis sich die Meere erholen könnten, so dass sich die Bedingungen für die meisten Tiere und Ökosysteme zunächst weiter verschlechtern werden, sagt Toste Tanhua, Ozeanograph am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Das wissenschaftliche Institut setzt sich für bessere Systeme zu Meeresüberwachung ein.

„Wir hoffen, dass die jungen Wal-Babys einen besseren Ozean vorfinden werden, wenn sie alt sind. Aber das können wir derzeit nur hoffen.“

Kurzfristig können Maßnahmen zum Schutz der Ozeane vor menschlichen Eingriffen dazu beitragen, dass sich die Meeresfauna und das Klima erholen.

Die Ökosysteme der Meere sind durch nicht nachhaltige Fischerei und gefährliche Methoden wie die Grundschleppnetzfischerei bedroht. Dabei wird der Meeresboden mit riesigen metallbeschichteten Netzen abgefischt, die die Tierwelt zerstören und damit größere Mengen Kohlendioxid freisetzen als die gesamte Luftfahrtindustrie.

„Die Fischbestände sind dezimiert, die Korallenriffe sterben und große ikonische Arten wie Wale wurden an den Rand des Aussterbens gedrängt – der Schaden ist immens“, sagt Minna Epps, Leiterin der Abteilung Ozeane bei der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN).

Die Vereinten Nationen (UN) und Naturschutzorganisationen drängen darauf, dass die führenden Politikerinnen und Politiker der Welt 30 Prozent der Meere bis zum Jahr 2030 unter Schutz stellen. Heute sind lediglich sieben Prozent der Ozeane als Meeresschutzgebiete ausgewiesen, und nur zwei Prozent sind vollständig oder stark geschützt. Dabei könnte ein echter strategischer Schutz großer Ozeanteile dazu führen, dass sich die maritime Tier- und Pflanzenwelt erholen, die Meere weiter Kohlenstoff speichern und ausreichend Nahrung für Menschen liefern würden, wie eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie zeigte.

Aber die Politik stößt auch auf Widerstand bei den Menschen, die von der Umweltzerstörung am stärksten betroffenen sind.

Indigene Gruppen kritisieren, dass sie in politischen Vorschlägen zum Schutz der biologischen Vielfalt vernachlässigt wurden, obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass sie effektive Verwalter der Natur sind. So zeigte eine Studie, die 2019 in der Zeitschrift Environmental Science and Policy veröffentlicht wurde, dass in Australien, Brasilien und Kanada die von indigenen Völkern bewirtschafteten Flächen eine größere Artenvielfalt aufweisen als staatlich geschützte Naturschutzgebiete.

Wenn sie durch marine Schutzbestimmungen am Fischen gehindert werden, könnten indigene Küstengemeinden ihre Nahrung und Lebensgrundlage verlieren. In Gebieten, in denen die industriellen Fischerei verboten wird, könnten sie hingegen von gesünderen Gewässern und größeren Fischpopulationen profitieren.

„Ich glaube nicht, dass wir sagen sollten, dass jedes Meeresschutzgebiet vollständig geschützt werden muss“, meint Tanhua und verweist auf bestehende Nationalparks, die noch ein gewisses Maß an Nutzung durch den Menschen zulassen. „Wir können den Ozean ebensog behandeln und in verschiedenen Gebieten unterschiedliche Schutzniveaus für unterschiedliche Zwecke etablieren.“

Eine dritte Lösung besteht darin, die Verschmutzung zu stoppen, bevor sie in die Ozeane gelangt. Wird Plastikmüll einfach in der Natur entsorgt, gelangt es über Flüsse und Regen oft in den Ozean. Einmal dort angekommen, ist es fast unmöglich, den Kunststoff wieder herauszuholen.

Darüber hinaus schädigt Plastik die Ökosysteme auch, wenn es sich zersetzt. So ergab eine im Februar veröffentlichte Studie der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF), dass sich die Menge an Mikroplastik in den Ozeanen selbst dann verdoppeln würde, wenn ab sofort keinerlei Plastik mehr ins Meer gelangen würde.

Fischer arbeiten auf ihren Booten am Hafen von Guinea-Bissau
Fischer leeren ihre Schleppnetze an Bord eines Fischtrawlers

Die Menschheit hat die Ozeane des Planeten stark geschädigt, der Temperaturanstieg, zunehmende Übersäuerung und  Unmengen Plastikmüll bedrohen das Tiere und Pflanzen im Meer, und gefährliche Fangmethoden bedrohen zahlreiche Fischarten.

Die gute Nachricht: Treffen wir jetzt die richtigen Maßnahmen, könnte zumindest eine weitere Verschlimmerung noch aufgehalten werden.

Meeresschutz durch Begrenzung des Klimawandels

Politische Entscheidungsträger treffen sich diese Woche in Portugal, um den Schutz der Ozeane voranzutreiben. Denn unsere Meere sind nicht nur die wichtigste Eiweißquelle für Milliarden von Menschen und die Grundlage für das Einkommen von Millionen von Menschen durch Tourismus und Fischerei. Sie sind auch eine wichtige Verteidigungslinie im Kampf gegen den Klimawandel.

„Die Zeit läuft uns davon, aber wir noch können wir das Blatt wenden und in gesunde Ozeane zu investieren“, sagt Kristian Teleki, Ozeanexperte bei der gemeinnützigen Umweltorganisation World Resources Institute.

Eine der wirksamsten Lösungen zum Schutz der Ozeane besteht darin, die  Erwärmung des Planeten zu stoppen.

Ozeane absorbieren gut ein Viertel aller Kohlendioxidemissionen und speichern rund 90 Prozent der durch sie entstehenden Erwärmung. Gelingt es, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu anzuhalten, dem Pariser Klimaziel von 2015, wird mit einem Rückgang der Korallenriffe um „nur“ 70 bis 90 Prozent gerechnet. Erhitzt sich die Welt dagegen weiter, auf zwei Grad Celsius oder mehr, werden alle Korallen absterben.

Wir müssen die Meere vor dem Menschen schützen

Doch trotz einer Reihe von Versprechen zur Emissionsreduzierung seit dem Klimaabkommen von 2015 reichen die bisherigen Massnahmen nicht aus und die Welt rast auf einedeutlich höhere Erhitzung zu.

Die Verschmutzung der Meere an der Quelle stoppen

Um ihre Versprechen einzulösen, müssten die politischen Entscheidungsträger  einen schnellen Umbau aufsaubere Energiequellen umsetzten, den übermäßigen Energieverbrauch senken und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder erhalten. Außerdem müssten sie dringend Kohlekraftwerke abschalten und die Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasfelder einstellen.

Doch selbst bei einem sofortigen Stopp von CO2-Emissionen würden sich die Meere zunächst noch weiter aufheizen, ehe eine Trendwende einsetzt. Es dauert sehr lange, bis sich die Meere erholen könnten, so dass sich die Bedingungen für die meisten Tiere und Ökosysteme zunächst weiter verschlechtern werden, sagt Toste Tanhua, Ozeanograph am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Das wissenschaftliche Institut setzt sich für bessere Systeme zu Meeresüberwachung ein.

„Wir hoffen, dass die jungen Wal-Babys einen besseren Ozean vorfinden werden, wenn sie alt sind. Aber das können wir derzeit nur hoffen.“

Kurzfristig können Maßnahmen zum Schutz der Ozeane vor menschlichen Eingriffen dazu beitragen, dass sich die Meeresfauna und das Klima erholen.

Die Ökosysteme der Meere sind durch nicht nachhaltige Fischerei und gefährliche Methoden wie die Grundschleppnetzfischerei bedroht. Dabei wird der Meeresboden mit riesigen metallbeschichteten Netzen abgefischt, die die Tierwelt zerstören und damit größere Mengen Kohlendioxid freisetzen als die gesamte Luftfahrtindustrie.

„Die Fischbestände sind dezimiert, die Korallenriffe sterben und große ikonische Arten wie Wale wurden an den Rand des Aussterbens gedrängt – der Schaden ist immens“, sagt Minna Epps, Leiterin der Abteilung Ozeane bei der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN).

Die Vereinten Nationen (UN) und Naturschutzorganisationen drängen darauf, dass die führenden Politikerinnen und Politiker der Welt 30 Prozent der Meere bis zum Jahr 2030 unter Schutz stellen. Heute sind lediglich sieben Prozent der Ozeane als Meeresschutzgebiete ausgewiesen, und nur zwei Prozent sind vollständig oder stark geschützt. Dabei könnte ein echter strategischer Schutz großer Ozeanteile dazu führen, dass sich die maritime Tier- und Pflanzenwelt erholen, die Meere weiter Kohlenstoff speichern und ausreichend Nahrung für Menschen liefern würden, wie eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie zeigte.

Zwei Iguana-Echsen sitzen auf schwarzen Klippen der Galápagos-Inseln

Aber die Politik stößt auch auf Widerstand bei den Menschen, die von der Umweltzerstörung am stärksten betroffenen sind.

Indigene Gruppen kritisieren, dass sie in politischen Vorschlägen zum Schutz der biologischen Vielfalt vernachlässigt wurden, obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass sie effektive Verwalter der Natur sind. So zeigte eine Studie, die 2019 in der Zeitschrift Environmental Science and Policy veröffentlicht wurde, dass in Australien, Brasilien und Kanada die von indigenen Völkern bewirtschafteten Flächen eine größere Artenvielfalt aufweisen als staatlich geschützte Naturschutzgebiete.

Wenn sie durch marine Schutzbestimmungen am Fischen gehindert werden, könnten indigene Küstengemeinden ihre Nahrung und Lebensgrundlage verlieren. In Gebieten, in denen die industriellen Fischerei verboten wird, könnten sie hingegen von gesünderen Gewässern und größeren Fischpopulationen profitieren.

„Ich glaube nicht, dass wir sagen sollten, dass jedes Meeresschutzgebiet vollständig geschützt werden muss“, meint Tanhua und verweist auf bestehende Nationalparks, die noch ein gewisses Maß an Nutzung durch den Menschen zulassen. „Wir können den Ozean ebensog behandeln und in verschiedenen Gebieten unterschiedliche Schutzniveaus für unterschiedliche Zwecke etablieren.“

Eine dritte Lösung besteht darin, die Verschmutzung zu stoppen, bevor sie in die Ozeane gelangt. Wird Plastikmüll einfach in der Natur entsorgt, gelangt es über Flüsse und Regen oft in den Ozean. Einmal dort angekommen, ist es fast unmöglich, den Kunststoff wieder herauszuholen.

Darüber hinaus schädigt Plastik die Ökosysteme auch, wenn es sich zersetzt. So ergab eine im Februar veröffentlichte Studie der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF), dass sich die Menge an Mikroplastik in den Ozeanen selbst dann verdoppeln würde, wenn ab sofort keinerlei Plastik mehr ins Meer gelangen würde.

Besseres Sortieren und Lagern von Abfällen könnte verhindern, dass Plastik weiterhin in die Ozeane gelangt. Das würde bedeuten, dass Müll in sichere Deponien oder in Verbrennungsanlagen gebracht werden müsste. Allerdings entstehen bei der Verbrennung von Plastik auch wieder Treibhausgasemissionen.

Umweltgruppen fordern stattdessen die politischen Entscheidungsträger auf, bessere Recyclinganlagen zu bauen und Gesetze zu erlassen, die Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, grundsätzlich deutlich weniger Plastik zu verwenden.

Umweltgruppen fordern stattdessen die politischen Entscheidungsträger auf, bessere Recyclinganlagen zu bauen und Gesetze zu erlassen, die Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, grundsätzlich deutlich weniger Plastik zu verwenden.

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