Wirtschaft

Eurostat: Rekordinflation in der Eurozone

Der Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im Euroraum auf ein neues Rekordniveau getrieben. Die Verbraucherpreise stiegen laut Statistikamt Eurostat im Juni durchschnittlich um 8,6 Prozent binnen Jahresfrist.

Damit wurden die Erwartungen von Volkswirten sogar noch übertroffen, die eine Inflationsrate von 8,4 Prozent prognostiziert hatten. Im Mai hatte die Teuerung bereits bei 8,1 Prozent und im April bei 7,4 Prozent gelegen.

Laut einer ersten Inflationsschätzung von  Eurostat kletterten im Juni die Preise für Energie zum Vorjahr um 41,9 Prozent, nach einem Preisschub von 39,1 Prozent im Mai. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen im Juni um 11,1 Prozent an, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,4 Prozent.

Damit wurden die Erwartungen von Volkswirten sogar noch übertroffen, die eine Inflationsrate von 8,4 Prozent prognostiziert hatten. Im Mai hatte die Teuerung bereits bei 8,1 Prozent und im April bei 7,4 Prozent gelegen.

Die Preise erhöhten sich wie im Vormonat auf breiter Front. Dies zeigt die sogenannte Kernrate, bei der die schwankungsreichen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgerechnet sind. Diese lag im Juni bei 4,6 Prozent. Im Mai hatte die Kernrate bei 4,4 Prozent gelegen.

Weit über der Zielmarke

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, kommentierte die Eurostat-Zahlen mit Blick auf Deutschland: „Die Inflation im Euroraum hat wieder einen neuen Höchststand erreicht. Das würde auch für die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel gelten, wenn Deutschland nicht das 9-Euro-Ticket eingeführt und Bahnfahrten deutlich verbilligt hätte.“

Mittlerweile liegt die Inflation mehr als vier mal so hoch wie die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die zwei Prozent Teuerung für die Wirtschaft als optimalen Wert ansteuert.

Die Inflationsrate im Euroraum war seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld im Jahr 1999 noch nie so hoch. Seit dem Sommer 2021 hat sich die Teuerung kontinuierlich verstärkt, wobei zuletzt bereits Rekordwerte erreicht wurden. Der Krieg in der Ukraine und die harten Corona-Maßnahmen in China verschärften den Preisauftrieb.

Fritzi Köhler, Chefvolkswirtin der KfW-Bank, warnt vor der weiteren Entwicklung: „“Der Druck aus kriegs- und Covid-bedingten Einschränkungen könnte sich in den kommenden Monaten sogar noch weiter verstärken.“ Thomas Gitzel, ihr Kollege von der VP Bank, sieht das genauso: „Entspannung zeichnet sich derzeit nicht ab. Die Lieferschwierigkeiten bei vielen Produkten werden noch länger anhalten.“

Alexander Krüger vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe stößt ins selbe Horn: „Das Inflationsdrama geht in die nächste Runde, der Gipfel ist noch nicht erreicht. Es wird auch noch länger dauern, bis ein Entwarnungssignal gegeben werden kann.“

Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer sieht angesichts der aktuellen Lage die Europäische Zentralbank in der Pflicht: „Der Euroraum hat ein massives Inflationsproblem, das entschiedenes Handeln der EZB erfordert. Sie sollte sich einen Ruck geben und die Zinsen auf der nächsten Sitzung im Juli nicht nur wie angekündigt um einen viertel Prozentpunkt, sondern um einen halben Prozentpunkt anheben.“

Die EZB hat wegen des anhaltenden Inflationsschubs die Zinswende bereits in Aussicht gestellt. Nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik sollen in diesem Monat die wichtigsten Zinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Das wäre für die Währungshüter die erste Zinsanhebung seit 2011. Die Euro-Notenbank hat zudem bereits weitere Schritte nach oben angekündigt.

dk/bea (dpa, rtr)

 

Deutschland | Symbolbild | Coronavirus | Wirtschaft

Damit wurden die Erwartungen von Volkswirten sogar noch übertroffen, die eine Inflationsrate von 8,4 Prozent prognostiziert hatten. Im Mai hatte die Teuerung bereits bei 8,1 Prozent und im April bei 7,4 Prozent gelegen.

Laut einer ersten Inflationsschätzung von  Eurostat kletterten im Juni die Preise für Energie zum Vorjahr um 41,9 Prozent, nach einem Preisschub von 39,1 Prozent im Mai. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen im Juni um 11,1 Prozent an, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,4 Prozent.

Weit über der Zielmarke

Die Preise erhöhten sich wie im Vormonat auf breiter Front. Dies zeigt die sogenannte Kernrate, bei der die schwankungsreichen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgerechnet sind. Diese lag im Juni bei 4,6 Prozent. Im Mai hatte die Kernrate bei 4,4 Prozent gelegen.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, kommentierte die Eurostat-Zahlen mit Blick auf Deutschland: „Die Inflation im Euroraum hat wieder einen neuen Höchststand erreicht. Das würde auch für die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel gelten, wenn Deutschland nicht das 9-Euro-Ticket eingeführt und Bahnfahrten deutlich verbilligt hätte.“

Mittlerweile liegt die Inflation mehr als vier mal so hoch wie die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die zwei Prozent Teuerung für die Wirtschaft als optimalen Wert ansteuert.

Die Inflationsrate im Euroraum war seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld im Jahr 1999 noch nie so hoch. Seit dem Sommer 2021 hat sich die Teuerung kontinuierlich verstärkt, wobei zuletzt bereits Rekordwerte erreicht wurden. Der Krieg in der Ukraine und die harten Corona-Maßnahmen in China verschärften den Preisauftrieb.

„EZB sollte sich einen Ruck geben“

Fritzi Köhler, Chefvolkswirtin der KfW-Bank, warnt vor der weiteren Entwicklung: „“Der Druck aus kriegs- und Covid-bedingten Einschränkungen könnte sich in den kommenden Monaten sogar noch weiter verstärken.“ Thomas Gitzel, ihr Kollege von der VP Bank, sieht das genauso: „Entspannung zeichnet sich derzeit nicht ab. Die Lieferschwierigkeiten bei vielen Produkten werden noch länger anhalten.“

Alexander Krüger vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe stößt ins selbe Horn: „Das Inflationsdrama geht in die nächste Runde, der Gipfel ist noch nicht erreicht. Es wird auch noch länger dauern, bis ein Entwarnungssignal gegeben werden kann.“

Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer sieht angesichts der aktuellen Lage die Europäische Zentralbank in der Pflicht: „Der Euroraum hat ein massives Inflationsproblem, das entschiedenes Handeln der EZB erfordert. Sie sollte sich einen Ruck geben und die Zinsen auf der nächsten Sitzung im Juli nicht nur wie angekündigt um einen viertel Prozentpunkt, sondern um einen halben Prozentpunkt anheben.“

Die EZB hat wegen des anhaltenden Inflationsschubs die Zinswende bereits in Aussicht gestellt. Nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik sollen in diesem Monat die wichtigsten Zinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Das wäre für die Währungshüter die erste Zinsanhebung seit 2011. Die Euro-Notenbank hat zudem bereits weitere Schritte nach oben angekündigt.

dk/bea (dpa, rtr)

 

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