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Afrikas Freihandelszone kommt allmählich ins Rollen

Eine Handvoll afrikanischer Unternehmen hat begonnen, Waren im Rahmen des lange verzögerten Freihandelsabkommens AfCFTA zu versenden. Sie sind Teil einer neuen Initiative zur Ankurbelung des inner-afrikanischen Handels.

Afrikas Freihandel beginnt langsam, in kleinen Schritten: Mehrere afrikanische Nationen haben bereits begonnen, Waren im Rahmen des Abkommens über die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) zu handeln. Kenia hat in den vergangenen Monaten lokal hergestellte Auto- und Lkw-Batterien sowie eine Lieferung kenianischen Tees nach Ghana verschifft und Ruanda exportierte verarbeitete Kaffeebohnen in das westafrikanische Land.

„Es ist ein positiver Schritt“, sagte Nixon Paloma, Finanzbeauftragter der Firma Associated Battery Manufacturers. Das Unternehmen ist eines von nur zwei Unternehmen in Kenia, die an einem Pilotprojekt namens „Guided Trade Initiative“ teilnehmen.

Afrikas Freihandel beginnt langsam, in kleinen Schritten: Mehrere afrikanische Nationen haben bereits begonnen, Waren im Rahmen des Abkommens über die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) zu handeln. Kenia hat in den vergangenen Monaten lokal hergestellte Auto- und Lkw-Batterien sowie eine Lieferung kenianischen Tees nach Ghana verschifft und Ruanda exportierte verarbeitete Kaffeebohnen in das westafrikanische Land.

Die Initiative unterstützt Unternehmen, die in ausgewählten Ländern mit bestimmten Produkten handeln. Die Idee dahinter ist: Zu testen, aber auch zu beweisen, dass das AfCFTA-System funktioniert und den innerregionalen Handel ins Rollen bringt. Zu diesen Ländern gehören neben Kenia, Ruanda und Ghana auch Kamerun, Ägypten, Mauritius, Tansania und Tunesien.

Erschließung neuer Märkte

Die größte Freihandelszone der Welt existiert formell seit dem 1. Januar 2021. Die Umsetzung des kontinentalen Binnenmarktes hat sich jedoch aus mehreren Gründen verzögert, so zum Beispiel durch die COVID-Pandemie, und weil zehn der 54 Unterzeichner das Abkommen schlussendlich nicht ratifizierten.

Associated Battery Manufacturers exportiert seit langem seine Bleisäure- und Solarbatterien in mehr als ein Dutzend afrikanische Länder. Diese befinden sich jedoch hauptsächlich innerhalb der bereits etablierten Freihandelszone COMESA, dem Gemeinsamen Markt für das östliche und südliche Afrika. Dort profitiert das in Nairobi ansässige Unternehmen von den fehlenden Zöllen auf seine Produkte.

Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz in der Größenordnung von 120 Millionen Dollar (114 Millionen Euro) exportierte nicht weiter als in die Demokratische Republik Kongo, sagte Paloma der DW, da es „keinen Vorteil hatte, den zollfreien Status zu haben“.

Dies ist nicht ungewöhnlich auf dem Kontinent, wo der innerafrikanische Handel nur etwa 15 Prozent des Gesamthandels ausmacht. Das ist viel weniger als in anderen Weltregionen wie Europa, dort sind es 67 Prozent und in Asien 60 Prozent. In den vergangenen Monaten hat das Batterieunternehmen jedoch zwei AfCFTA-zertifizierte Sendungen von Auto- und Lkw-Batterien im Wert von rund 60.000 US-Dollar pro Container nach Ghana verschifft.

Laut Paloma senken die Exporte nach Ghana in diesem Jahr im Rahmen des AfCFTA-Abkommens den normalen Einfuhrzoll von 20 Prozent für die Batterien nur um zwei Prozent. Aber da der Zoll um zwei Prozentpunkte pro Jahr sinken soll, bis er Null erreicht, sei das Unternehmen bestrebt, seine Marke in Westafrika aufzubauen, sagte er.

Aber Zölle sind nur eines der vielen Hindernisse für den Handel in Afrika. Eine weitere große Hürde ist die Logistik. „Das Problem ist, es gibt nicht genug Handel, damit sich große Schiffe für den Transport von einem afrikanischen Hafen direkt zum nächsten lohnen“, sagte Nixon Paloma. „Für Unternehmen ist es einfacher, diese Waren erst in einem Hafen in Asien oder Europa zu bringen. Dort gibt es größere Mengen, die nach Westafrika gehen.“

Aber drei Viertel der afrikanischen Waren werden auf Straßen transportiert, die oft schlecht ausgebaut sind. Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank erhöhe dies die Logistikkosten auf dem Kontinent, was den Preis afrikanischer Waren um 75 Prozent steigen lassen könne.

Igire Coffee, das einzige ruandische Unternehmen, das bisher AfCFTA-zertifizierte Waren exportiert, sieht das Freihandelsabkommen auch als Chance: Das Unternehmen will Westafrikas unerschlossene Märkte für seinen „Made in Africa“ -Kaffee erkunden, wenn die Zölle sinken. Die ersten gut 100 Kilogramm geröstete Arabica-Kaffeebohnen „Made in Rwanda“ hat das von Frauen geführte Unternehmen per Luftfracht nach Ghana versandt, weitere Lieferungen sollen folgen.

In Ländern wie Ghana und Nigeria kaufe man Kaffee aus Afrika, sagt Geschäftsführerin Briggette Harrington der DW in Kigali. Aber er werde zur Verarbeitung und Verpackung nach Übersee verschifft und dann wieder zurückgeschickt, was absolut keinen Sinn mache.

Sie hofft, dass AfCFTA durch die Öffnung des interregionalen Handelsmehr afrikanischen Unternehmen einen Anreiz geben wird, die reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen und Rohstoffe des Kontinents aufzuwerten, anstatt sie nach Übersee zu verkaufen.

Nur 37 Prozent der von Afrika auf den Weltmarkt gebrachten Produkte sind teilweise oder komplett verarbeitet, wie aus Angaben des Internationalen Handelszentrums der Vereinten Nationen hervorgeht. Das heißt: Aus Afrika exportierte Güter werden oft erst nachträglich veredelt.

„Westliche Unternehmen zahlen sechs Dollar pro Kilo für grüne Kaffeebohnen, die dann nach der Verarbeitung für zwischen 45 und 50 Dollar pro Kilo verkauft werden“, sagt Harrington. „Die Frauen, die die Bohnen düngen, pflegen und ernten, bekommen vielleicht nur zwei Dollar pro Kilo. Das müssen wir ändern.“

Bisher wurden nur wenige Produkte für den AfCFTA-Freihandel zertifiziert. Regierungen wie die von Ghana unterstützen deshalb Hunderte von Unternehmen dabei, die erforderlichen Herkunftsnachweise zu erbringen.

Eines davon ist die Benso Oil Palm Plantation (BOPP) im Westen Ghanas. Das Unternehmen, das direkt rund 500 Mitarbeiter und indirekt rund 1.500 weitere Arbeitnehmer beschäftigt, baut Ölpalmen an und verarbeitet die Früchte zu Rohpalmöl und Palmkernöl. „Behörden sind zu dem Urteil gekommen, dass wir uns eignen“, sagt BOPP-Direktor Samuel Awonnea Avaala. Er hofft, dass die Zertifizierung bis Ende des Jahres abgeschlossen ist.

Während ein Großteil des Palmöls zu Speiseöl verarbeitet und im Inland verbraucht wird, exportiert BOPP hauptsächlich das Palmkernöl, das in Kosmetika und Seifen verwendet wird, unter anderem in Länder wie Singapur, Spanien und Kanada.

Das Unternehmen „bereitet sich darauf vor“, mehr innerhalb des Kontinents zu exportieren, sagte Avaala. „Der Handel innerhalb Afrikas hat seine eigenen Vorteile. Das müssen wir ausbauen, damit afrikanische Länder immer mehr untereinander Handel treiben.“

Adaptiert aus dem Englischen von Martina Schwikowski.

Ruanda I Igire-Kaffee Made in Rwanda
AfCFTA

Afrikas Freihandel beginnt langsam, in kleinen Schritten: Mehrere afrikanische Nationen haben bereits begonnen, Waren im Rahmen des Abkommens über die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) zu handeln. Kenia hat in den vergangenen Monaten lokal hergestellte Auto- und Lkw-Batterien sowie eine Lieferung kenianischen Tees nach Ghana verschifft und Ruanda exportierte verarbeitete Kaffeebohnen in das westafrikanische Land.

„Es ist ein positiver Schritt“, sagte Nixon Paloma, Finanzbeauftragter der Firma Associated Battery Manufacturers. Das Unternehmen ist eines von nur zwei Unternehmen in Kenia, die an einem Pilotprojekt namens „Guided Trade Initiative“ teilnehmen.

Erschließung neuer Märkte

Die Initiative unterstützt Unternehmen, die in ausgewählten Ländern mit bestimmten Produkten handeln. Die Idee dahinter ist: Zu testen, aber auch zu beweisen, dass das AfCFTA-System funktioniert und den innerregionalen Handel ins Rollen bringt. Zu diesen Ländern gehören neben Kenia, Ruanda und Ghana auch Kamerun, Ägypten, Mauritius, Tansania und Tunesien.

Die größte Freihandelszone der Welt existiert formell seit dem 1. Januar 2021. Die Umsetzung des kontinentalen Binnenmarktes hat sich jedoch aus mehreren Gründen verzögert, so zum Beispiel durch die COVID-Pandemie, und weil zehn der 54 Unterzeichner das Abkommen schlussendlich nicht ratifizierten.

Associated Battery Manufacturers exportiert seit langem seine Bleisäure- und Solarbatterien in mehr als ein Dutzend afrikanische Länder. Diese befinden sich jedoch hauptsächlich innerhalb der bereits etablierten Freihandelszone COMESA, dem Gemeinsamen Markt für das östliche und südliche Afrika. Dort profitiert das in Nairobi ansässige Unternehmen von den fehlenden Zöllen auf seine Produkte.

Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz in der Größenordnung von 120 Millionen Dollar (114 Millionen Euro) exportierte nicht weiter als in die Demokratische Republik Kongo, sagte Paloma der DW, da es „keinen Vorteil hatte, den zollfreien Status zu haben“.

Handelshemmnisse

Dies ist nicht ungewöhnlich auf dem Kontinent, wo der innerafrikanische Handel nur etwa 15 Prozent des Gesamthandels ausmacht. Das ist viel weniger als in anderen Weltregionen wie Europa, dort sind es 67 Prozent und in Asien 60 Prozent. In den vergangenen Monaten hat das Batterieunternehmen jedoch zwei AfCFTA-zertifizierte Sendungen von Auto- und Lkw-Batterien im Wert von rund 60.000 US-Dollar pro Container nach Ghana verschifft.

Aufwertung von Rohstoffen

Laut Paloma senken die Exporte nach Ghana in diesem Jahr im Rahmen des AfCFTA-Abkommens den normalen Einfuhrzoll von 20 Prozent für die Batterien nur um zwei Prozent. Aber da der Zoll um zwei Prozentpunkte pro Jahr sinken soll, bis er Null erreicht, sei das Unternehmen bestrebt, seine Marke in Westafrika aufzubauen, sagte er.

Aber Zölle sind nur eines der vielen Hindernisse für den Handel in Afrika. Eine weitere große Hürde ist die Logistik. „Das Problem ist, es gibt nicht genug Handel, damit sich große Schiffe für den Transport von einem afrikanischen Hafen direkt zum nächsten lohnen“, sagte Nixon Paloma. „Für Unternehmen ist es einfacher, diese Waren erst in einem Hafen in Asien oder Europa zu bringen. Dort gibt es größere Mengen, die nach Westafrika gehen.“

Aber drei Viertel der afrikanischen Waren werden auf Straßen transportiert, die oft schlecht ausgebaut sind. Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank erhöhe dies die Logistikkosten auf dem Kontinent, was den Preis afrikanischer Waren um 75 Prozent steigen lassen könne.

Die Zahlen drücken

Igire Coffee, das einzige ruandische Unternehmen, das bisher AfCFTA-zertifizierte Waren exportiert, sieht das Freihandelsabkommen auch als Chance: Das Unternehmen will Westafrikas unerschlossene Märkte für seinen „Made in Africa“ -Kaffee erkunden, wenn die Zölle sinken. Die ersten gut 100 Kilogramm geröstete Arabica-Kaffeebohnen „Made in Rwanda“ hat das von Frauen geführte Unternehmen per Luftfracht nach Ghana versandt, weitere Lieferungen sollen folgen.

In Ländern wie Ghana und Nigeria kaufe man Kaffee aus Afrika, sagt Geschäftsführerin Briggette Harrington der DW in Kigali. Aber er werde zur Verarbeitung und Verpackung nach Übersee verschifft und dann wieder zurückgeschickt, was absolut keinen Sinn mache.

Sie hofft, dass AfCFTA durch die Öffnung des interregionalen Handelsmehr afrikanischen Unternehmen einen Anreiz geben wird, die reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen und Rohstoffe des Kontinents aufzuwerten, anstatt sie nach Übersee zu verkaufen.

Nur 37 Prozent der von Afrika auf den Weltmarkt gebrachten Produkte sind teilweise oder komplett verarbeitet, wie aus Angaben des Internationalen Handelszentrums der Vereinten Nationen hervorgeht. Das heißt: Aus Afrika exportierte Güter werden oft erst nachträglich veredelt.

„Westliche Unternehmen zahlen sechs Dollar pro Kilo für grüne Kaffeebohnen, die dann nach der Verarbeitung für zwischen 45 und 50 Dollar pro Kilo verkauft werden“, sagt Harrington. „Die Frauen, die die Bohnen düngen, pflegen und ernten, bekommen vielleicht nur zwei Dollar pro Kilo. Das müssen wir ändern.“

Bisher wurden nur wenige Produkte für den AfCFTA-Freihandel zertifiziert. Regierungen wie die von Ghana unterstützen deshalb Hunderte von Unternehmen dabei, die erforderlichen Herkunftsnachweise zu erbringen.

Eines davon ist die Benso Oil Palm Plantation (BOPP) im Westen Ghanas. Das Unternehmen, das direkt rund 500 Mitarbeiter und indirekt rund 1.500 weitere Arbeitnehmer beschäftigt, baut Ölpalmen an und verarbeitet die Früchte zu Rohpalmöl und Palmkernöl. „Behörden sind zu dem Urteil gekommen, dass wir uns eignen“, sagt BOPP-Direktor Samuel Awonnea Avaala. Er hofft, dass die Zertifizierung bis Ende des Jahres abgeschlossen ist.

Während ein Großteil des Palmöls zu Speiseöl verarbeitet und im Inland verbraucht wird, exportiert BOPP hauptsächlich das Palmkernöl, das in Kosmetika und Seifen verwendet wird, unter anderem in Länder wie Singapur, Spanien und Kanada.

Das Unternehmen „bereitet sich darauf vor“, mehr innerhalb des Kontinents zu exportieren, sagte Avaala. „Der Handel innerhalb Afrikas hat seine eigenen Vorteile. Das müssen wir ausbauen, damit afrikanische Länder immer mehr untereinander Handel treiben.“

Adaptiert aus dem Englischen von Martina Schwikowski.

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