Kultur

Kölner Dombauhütte restauriert Fenster von Notre-Dame

Am 15. April 2019 brannte die Pariser Kathedrale Notre-Dame. Bei der Restaurierung beschädigter Kirchenfenster hilft die Dombauhütte Köln. Die Zeit drängt.

“Ich saß geschockt und fassungslos vor dem Fernseher”, erinnert sich der Kunsthistoriker Matthias Deml, Sprecher der Kölner Dombauhütte, an den Abend des 15. April 2019: Meterhohe Flammen schlagen aus dem Dach der weltberühmten gotischen Kathedrale. Das Feuer zerstört den hölzernen Dachstuhl aus 1300 Eichenbalken, “la forêt”, der Wald, genannt. Die Hitze lässt das Bleidach aus 250 Tonnen Blei schmelzen. Der hölzerne Vierungsturm, der höchste der einstigen Türme Notre-Dames, bricht ein. Erst einen Tag später kann die Feuerwehr den Brand löschen. Unklar ist bis heute, was ihn ausgelöst hat – vielleicht ein Kurzschluss oder eine weggeworfene Zigarette? Die Welt ist schockiert.

Über dreieinhalb Jahre später beugen sich Demls Kolleginnen Katrin Wittstadt und Élodie Schneider über ein Fenster des Glasmalers Jacques Le Chevallier (1896-1987). “Das größte Problem ist die Verschmutzung durch eine dicke Schicht Bleistaub”, sagt Katrin Wittstadt. Sie ist die wissenschaftliche Leiterin der Glaswerkstatt der Kölner Dombauhütte und leitet die Wiederherstellung von vier Notre-Dame-Fenstern. Eines wird in Köln, drei weitere in Partnerwerkstätten restauriert. Für das grenzüberschreitende Hilfsprojekt stehen rund 700.000 Euro Spendengelder zur Verfügung.

“Ich saß geschockt und fassungslos vor dem Fernseher”, erinnert sich der Kunsthistoriker Matthias Deml, Sprecher der Kölner Dombauhütte, an den Abend des 15. April 2019: Meterhohe Flammen schlagen aus dem Dach der weltberühmten gotischen Kathedrale. Das Feuer zerstört den hölzernen Dachstuhl aus 1300 Eichenbalken, “la forêt”, der Wald, genannt. Die Hitze lässt das Bleidach aus 250 Tonnen Blei schmelzen. Der hölzerne Vierungsturm, der höchste der einstigen Türme Notre-Dames, bricht ein. Erst einen Tag später kann die Feuerwehr den Brand löschen. Unklar ist bis heute, was ihn ausgelöst hat – vielleicht ein Kurzschluss oder eine weggeworfene Zigarette? Die Welt ist schockiert.

Schmutz, Rauch und Löschwasser haben große Schäden an der Inneneinrichtung des Gotteshauses angerichtet. Mit Glück können viele Reliquien und auch der Kirchenschatz geborgen werden, zahlreiche Kunstwerke werden lediglich verschmutzt. Zwar wird das weltbekannte Rosettenfenster der gotischen Kathedrale verschont. Doch einige Fenster aus dem 19. und 20. Jahrhundert nehmen Schaden, darunter die vier von Le Chevallier (1896-1987) geschaffenen Obergadenfenster von 1965 im Langhaus von Notre Dame. 

Das Rosettenfenster blieb heil

Im Gegensatz zu vielen Fenstern des Pariser Wahrzeichens weisen sie abstrakte Formen auf, zeigen keine bildlichen Darstellungen, sondern bunte Farbverläufe. Die 300 Einzelscheiben, aus denen sie zusammengesetzt sind, blieben größtenteils unbeschädigt. Nur einzelne Stellen müssen ersetzt oder nachgemalt werden. “Wir haben hier gesprungene Gläser”, erklärt die Restauratorin. In der Ecke der Glaswerkstatt säuselt leise ein Baustellenradio. Sie ergänzt: “Diese Scheibe hier ist in viele kleine Teilstücke zersplittert. Unsere Aufgabe ist, sie mit einem passenden Farbglas zu ergänzen.” 

Reinigung und Reparaturarbeiten hätten vielleicht auch vor Ort in Paris stattfinden können. Doch das Kirchengewölbe hat Schaden genommen. Und so mussten die Fenster ausgebaut werden. Ein Lastwagen bringt sie im November zur Restaurierung nach Köln. Bis zum Frühjahr sollen die Arbeiten erledigt sein: Sie beginnen mit der Dokumentation der Schäden, bevor die Fenster in einer Dekontaminationskammer gereinigt, Sprünge geklebt, gebrochene Stücke ersetzt und nachgemalt werden. Am Ende steht das Löten des Bleinetzes und die Verkittung der Außenseite.  

Erst nach langer Diskussion haben die Franzosen entschieden, ihre geliebte Notre-Dame detailgetreu wieder aufzubauen – und nicht nach zeitgenössischen Entwürfen. Fünf Jahre wurde für Sanierung und Restaurierung veranschlagt. Die Zeit ist knapp bemessen: Schon am 15. April 2024, am fünften Jahrestag nach dem Brand soll die Kirche wiedereröffnet werden. Danach werden die Reparaturen wohl noch weitergehen. Das Gesamtbudget für den Wiederaufbau beträgt rund 830 Millionen Euro. Das Geld stammt aus Spenden und zugesagten Geldern. 

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat den Wiederaufbau von Notre-Dame schon früh zur Chefsache gemacht. Für viele Franzosen und Französinnen hat die Notre-Dame – seit 1991 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe – eine große emotionale Bedeutung. Die Krönung des Kaisers Napoleon im Jahr 1804 oder die Beerdigung des Staatspräsidenten Charles de Gaulle fanden hier statt. Victor Hugos Romand “Der Glöckner von Notre-Dame” aus dem 19. Jahrhundert trägt wesentlich zur Berühmtheit der Kathedrale bei. Und natürlich läuten die Glocken der Notre-Dame bei wichtigen Anlässen – etwa bei der Befreiung von den Nationalsozialisten im Jahr 1944. 

Mitten im Herzen von Paris hat die 130 Meter lange frühgotische Bischofskirche ihren zentralen Platz auf der Seine-Insel Île de la Cité gefunden. Sie wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert errichtet.Heute überragen ihre beiden 69 Meter hohen Haupttürme die Dächer von Paris. Im Inneren birgt die Kathedrale fünf Schiffe. Bis zu dem verheerenden Brand im April 2019 war Notre-Dame mit zwölf bis 14 Millionen Menschen die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Frankreichs – noch vor dem Eifelturm, dem Louvre oder dem Arc de Triomphe. Seit Ende Mai 2020 ist es immerhin wieder möglich, bis auf den Vorplatz der Kathedrale zu gehen.

Wenn es denn so etwas gibt wie eine “Kathedralen-Freundschaft”, dann wohl zwischen der Notre-Dame de Paris und dem Kölner Dom. Beide sind heute Wahrzeichen ihrer Stadt. “Unser Dom ist sehr stark von der französischen Gotik geprägt”, betont Matthias Deml. Die Bauhütten beider Großkirchen sind im Mittelalter miteinander verbunden. Die Dombaumeister, organisiert in der Vereinigung europäischer Dombaumeister, treffen sich heute regelmäßig zu Tagungen. “Es ist eine große Ehre für uns”, sagt Deml, “dass wir an Notre-Dame mitarbeiten dürfen.”

Katrin Wittstadt und Élodie Schneider restaurieren ein Fenster der Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Eine Mitarbeiterin der Glaserei in der Dombauhütte arbeitet an einem Kirchenfenster der Kathedrale von Notre-Dame

“Ich saß geschockt und fassungslos vor dem Fernseher”, erinnert sich der Kunsthistoriker Matthias Deml, Sprecher der Kölner Dombauhütte, an den Abend des 15. April 2019: Meterhohe Flammen schlagen aus dem Dach der weltberühmten gotischen Kathedrale. Das Feuer zerstört den hölzernen Dachstuhl aus 1300 Eichenbalken, “la forêt”, der Wald, genannt. Die Hitze lässt das Bleidach aus 250 Tonnen Blei schmelzen. Der hölzerne Vierungsturm, der höchste der einstigen Türme Notre-Dames, bricht ein. Erst einen Tag später kann die Feuerwehr den Brand löschen. Unklar ist bis heute, was ihn ausgelöst hat – vielleicht ein Kurzschluss oder eine weggeworfene Zigarette? Die Welt ist schockiert.

Über dreieinhalb Jahre später beugen sich Demls Kolleginnen Katrin Wittstadt und Élodie Schneider über ein Fenster des Glasmalers Jacques Le Chevallier (1896-1987). “Das größte Problem ist die Verschmutzung durch eine dicke Schicht Bleistaub”, sagt Katrin Wittstadt. Sie ist die wissenschaftliche Leiterin der Glaswerkstatt der Kölner Dombauhütte und leitet die Wiederherstellung von vier Notre-Dame-Fenstern. Eines wird in Köln, drei weitere in Partnerwerkstätten restauriert. Für das grenzüberschreitende Hilfsprojekt stehen rund 700.000 Euro Spendengelder zur Verfügung.

Das Rosettenfenster blieb heil

Schmutz, Rauch und Löschwasser haben große Schäden an der Inneneinrichtung des Gotteshauses angerichtet. Mit Glück können viele Reliquien und auch der Kirchenschatz geborgen werden, zahlreiche Kunstwerke werden lediglich verschmutzt. Zwar wird das weltbekannte Rosettenfenster der gotischen Kathedrale verschont. Doch einige Fenster aus dem 19. und 20. Jahrhundert nehmen Schaden, darunter die vier von Le Chevallier (1896-1987) geschaffenen Obergadenfenster von 1965 im Langhaus von Notre Dame. 

Im Gegensatz zu vielen Fenstern des Pariser Wahrzeichens weisen sie abstrakte Formen auf, zeigen keine bildlichen Darstellungen, sondern bunte Farbverläufe. Die 300 Einzelscheiben, aus denen sie zusammengesetzt sind, blieben größtenteils unbeschädigt. Nur einzelne Stellen müssen ersetzt oder nachgemalt werden. “Wir haben hier gesprungene Gläser”, erklärt die Restauratorin. In der Ecke der Glaswerkstatt säuselt leise ein Baustellenradio. Sie ergänzt: “Diese Scheibe hier ist in viele kleine Teilstücke zersplittert. Unsere Aufgabe ist, sie mit einem passenden Farbglas zu ergänzen.” 

Reinigung und Reparaturarbeiten hätten vielleicht auch vor Ort in Paris stattfinden können. Doch das Kirchengewölbe hat Schaden genommen. Und so mussten die Fenster ausgebaut werden. Ein Lastwagen bringt sie im November zur Restaurierung nach Köln. Bis zum Frühjahr sollen die Arbeiten erledigt sein: Sie beginnen mit der Dokumentation der Schäden, bevor die Fenster in einer Dekontaminationskammer gereinigt, Sprünge geklebt, gebrochene Stücke ersetzt und nachgemalt werden. Am Ende steht das Löten des Bleinetzes und die Verkittung der Außenseite.  

Erst nach langer Diskussion haben die Franzosen entschieden, ihre geliebte Notre-Dame detailgetreu wieder aufzubauen – und nicht nach zeitgenössischen Entwürfen. Fünf Jahre wurde für Sanierung und Restaurierung veranschlagt. Die Zeit ist knapp bemessen: Schon am 15. April 2024, am fünften Jahrestag nach dem Brand soll die Kirche wiedereröffnet werden. Danach werden die Reparaturen wohl noch weitergehen. Das Gesamtbudget für den Wiederaufbau beträgt rund 830 Millionen Euro. Das Geld stammt aus Spenden und zugesagten Geldern. 

Restaurierung bis zum Frühjahr 2023

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat den Wiederaufbau von Notre-Dame schon früh zur Chefsache gemacht. Für viele Franzosen und Französinnen hat die Notre-Dame – seit 1991 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe – eine große emotionale Bedeutung. Die Krönung des Kaisers Napoleon im Jahr 1804 oder die Beerdigung des Staatspräsidenten Charles de Gaulle fanden hier statt. Victor Hugos Romand “Der Glöckner von Notre-Dame” aus dem 19. Jahrhundert trägt wesentlich zur Berühmtheit der Kathedrale bei. Und natürlich läuten die Glocken der Notre-Dame bei wichtigen Anlässen – etwa bei der Befreiung von den Nationalsozialisten im Jahr 1944. 

Die Freundschaft zweier Kathedralen

Mitten im Herzen von Paris hat die 130 Meter lange frühgotische Bischofskirche ihren zentralen Platz auf der Seine-Insel Île de la Cité gefunden. Sie wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert errichtet.Heute überragen ihre beiden 69 Meter hohen Haupttürme die Dächer von Paris. Im Inneren birgt die Kathedrale fünf Schiffe. Bis zu dem verheerenden Brand im April 2019 war Notre-Dame mit zwölf bis 14 Millionen Menschen die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Frankreichs – noch vor dem Eifelturm, dem Louvre oder dem Arc de Triomphe. Seit Ende Mai 2020 ist es immerhin wieder möglich, bis auf den Vorplatz der Kathedrale zu gehen.

Wenn es denn so etwas gibt wie eine “Kathedralen-Freundschaft”, dann wohl zwischen der Notre-Dame de Paris und dem Kölner Dom. Beide sind heute Wahrzeichen ihrer Stadt. “Unser Dom ist sehr stark von der französischen Gotik geprägt”, betont Matthias Deml. Die Bauhütten beider Großkirchen sind im Mittelalter miteinander verbunden. Die Dombaumeister, organisiert in der Vereinigung europäischer Dombaumeister, treffen sich heute regelmäßig zu Tagungen. “Es ist eine große Ehre für uns”, sagt Deml, “dass wir an Notre-Dame mitarbeiten dürfen.”

Emmanuel Macron besucht Baustelle von Notre-Dame.

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