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William Ruto: Vom Hühnerverkäufer zum Präsidenten Kenias

Der 55-jährige William Ruto hat den Widrigkeiten getrotzt – einschließlich einer Abfuhr von seinem ehemaligen Chef, Präsident Uhuru Kenyatta. Die DW zeichnet seinen Weg ins höchste Amt Kenias nach.

Sein Wahlkampf war auf die kleinen Leute ausgerichtet: diejenigen, die im informellen Sektor arbeiten. Am Straßenrand einem Geschäft nachgehen. Jeden Tag mithilfe ihrer eigenen Kreativität versuchen, zu überleben – und dabei nicht auf den Staat zählen können. Kenia sei eine Nation dieser kleinen, aber smarten Leute, betonte der designierte kenianische Präsident William Ruto im Wahlkampf wieder und wieder. Und er versuchte sich als jemand darzustellen, der dieses Leben als “Hustler”, wie er es auf kenianischem Englisch nennt, ganz genau kennt. 

William Samoei Ruto wurde am 21. Dezember 1966 in einem Dorf in der Nähe der Stadt Eldoret im Westen Kenias geboren. Es sind bescheidene Verhältnisse, in denen Ruto aufgewachsen ist – immer wieder betont er, er habe in seiner Jugend Hühner an der Straße verkauft, um über die Runden zu kommen.

Sein Wahlkampf war auf die kleinen Leute ausgerichtet: diejenigen, die im informellen Sektor arbeiten. Am Straßenrand einem Geschäft nachgehen. Jeden Tag mithilfe ihrer eigenen Kreativität versuchen, zu überleben – und dabei nicht auf den Staat zählen können. Kenia sei eine Nation dieser kleinen, aber smarten Leute, betonte der designierte kenianische Präsident William Ruto im Wahlkampf wieder und wieder. Und er versuchte sich als jemand darzustellen, der dieses Leben als “Hustler”, wie er es auf kenianischem Englisch nennt, ganz genau kennt. 

Bei den Wählerinnen und Wählern kam das anscheinend gut an. Die Bevölkerung muss derzeit mit steigenden Kosten in allen Lebensbereichen zurechtkommen. Ruto hat versprochen, ein neues Wirtschaftsmodell einzuführen, das diese Menschen im Blick haben soll. Wie genau das funktionieren soll, bleibt abzuwarten.

Bescheidene Anfänge

Im Wahlprogramm seiner Partei werden drastische wirtschaftliche Veränderungen gefordert, um denen zu helfen, die nicht viel besitzen. In einem Interview mit der DW sprach Ruto kürzlich über seinen Plan, den Agrarsektor umzugestalten, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. “Die Landwirtschaft ist der wichtigste Sektor, den wir in Kenia haben. Es gibt absolut keinen Grund, warum wir nicht genügend Nahrungsmittel produzieren können. Es gibt keinen Grund, warum vier Millionen Kenianer hungern müssen”.

Doch der designierte Präsident ist nicht mehr der Junge von damals, der erst mit 15 Jahren sein erstes Paar Schuhe besessen haben soll. Heute ist Ruto, verheiratet und Vater von sieben Kindern, einer der wohlhabendsten Kenianer. Er besitzt eine mehr als 1000 Hektar große Ranch, eine Geflügelfarm und hat in die Hotelbranche investiert.

1990 erhielt er seinen Abschluss in Botanik und Zoologie an der Universität von Nairobi, wo er später auch promovierte. Als praktizierender Christ traf er Anfang der 1990er Jahre den damaligen Präsidenten Daniel Arap Moi bei einer kirchlichen Veranstaltung. Es wird Moi zugeschrieben, Ruto an die Politik herangeführt zu haben, nachdem das Land 1992 zu einem demokratischen Mehrparteienstaat wurde.

Seine politische Karriere begann, als er für die “Partei für afrikanischen Nationalismus in Kenia” (KANU) Wahlkampf betrieb für Moi, der bei den ersten Wahlen im Mehrparteiensystem sein Amt verteidigen wollte – und konnte.

Nachdem die KANU 2002 die Macht verlor, erfand sich Ruto neu. Er verbündete sich mit Raila Odinga für die Wahlen im Jahr 2007, die zu Unruhen im Land führten. Mehr als 1000 Menschen kamen im Zuge der Gewaltexzesse nach der Wahl ums Leben, Hunderttausende waren auf der Flucht. Daraufhin erhob der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Anklage unter anderem gegen Ruto und Uhuru Kenyatta, der den Gegenkandidaten unterstützt hatte, und beschuldigte die beiden, Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Der IStGH stellte die Verfahren jedoch ein.

In Den Haag schlossen sich Ruto und Kenyatta zusammen und bewarben sich im Jahr 2013 um die Präsidentschaft – Kenyatta als Kandidat und Ruto als sein Stellvertreter. Sie gewannen die Wahl gegen Raila Odinga, was diesen Verlust für Odinga noch schmerzhafter gemacht haben dürfte. Bis dahin war Ruto bereits Innenminister, Landwirtschaftsminister und Minister für höhere Bildung. 2017 kandidierten sie als Team erneut gegen Odinga und wurden wiedergewählt.

Dann zerstritten sich die beiden aus nicht bekannten Gründen. Ruto und Kenyatta trennten sich 2021, und Ruto wurde im März von der United Democratic Alliance als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen aufgestellt. Kenyatta wandte sich gegen seinen Vize und unterstützte seinen bisherigen Konkurrenten Odinga. Doch auch diese Fehde hat Ruto nicht aufhalten können.

Ob Ruto tatsächlich als Kenias fünfter Regierungschef seit der Unabhängigkeit vereidigt wird, wird sich zeigen. Odinga liegt nach Angaben der Wahlkommission weniger als zwei Prozentpunkte hinter Ruto und hat bereits angekündigt, das äußerst knappe Ergebnis mit “allen verfassungsgemäßen und rechtlichen Mitteln” anzufechten. Zudem hatten kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse vier der sieben Mitglieder der Wahlkommission erklärt, dass die letzte Phase der Auszählung “undurchsichtig” gewesen sei und dass sie diese nicht unterstützen könnten.

Aus dem Englischen adaptiert von Uta Steinwehr.

William Ruto während Wahllkampfveranstaltung in einem Auto stehend in einer Menschenmasse
Kenia | Unterstützer von William Ruto feiern seinen Wahlsieg in Eldoret
Kenia Nairobi | Raila Odinga und Unterstützer

Sein Wahlkampf war auf die kleinen Leute ausgerichtet: diejenigen, die im informellen Sektor arbeiten. Am Straßenrand einem Geschäft nachgehen. Jeden Tag mithilfe ihrer eigenen Kreativität versuchen, zu überleben – und dabei nicht auf den Staat zählen können. Kenia sei eine Nation dieser kleinen, aber smarten Leute, betonte der designierte kenianische Präsident William Ruto im Wahlkampf wieder und wieder. Und er versuchte sich als jemand darzustellen, der dieses Leben als “Hustler”, wie er es auf kenianischem Englisch nennt, ganz genau kennt. 

William Samoei Ruto wurde am 21. Dezember 1966 in einem Dorf in der Nähe der Stadt Eldoret im Westen Kenias geboren. Es sind bescheidene Verhältnisse, in denen Ruto aufgewachsen ist – immer wieder betont er, er habe in seiner Jugend Hühner an der Straße verkauft, um über die Runden zu kommen.

Bescheidene Anfänge

Bei den Wählerinnen und Wählern kam das anscheinend gut an. Die Bevölkerung muss derzeit mit steigenden Kosten in allen Lebensbereichen zurechtkommen. Ruto hat versprochen, ein neues Wirtschaftsmodell einzuführen, das diese Menschen im Blick haben soll. Wie genau das funktionieren soll, bleibt abzuwarten.

Im Wahlprogramm seiner Partei werden drastische wirtschaftliche Veränderungen gefordert, um denen zu helfen, die nicht viel besitzen. In einem Interview mit der DW sprach Ruto kürzlich über seinen Plan, den Agrarsektor umzugestalten, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. “Die Landwirtschaft ist der wichtigste Sektor, den wir in Kenia haben. Es gibt absolut keinen Grund, warum wir nicht genügend Nahrungsmittel produzieren können. Es gibt keinen Grund, warum vier Millionen Kenianer hungern müssen”.

Doch der designierte Präsident ist nicht mehr der Junge von damals, der erst mit 15 Jahren sein erstes Paar Schuhe besessen haben soll. Heute ist Ruto, verheiratet und Vater von sieben Kindern, einer der wohlhabendsten Kenianer. Er besitzt eine mehr als 1000 Hektar große Ranch, eine Geflügelfarm und hat in die Hotelbranche investiert.

1990 erhielt er seinen Abschluss in Botanik und Zoologie an der Universität von Nairobi, wo er später auch promovierte. Als praktizierender Christ traf er Anfang der 1990er Jahre den damaligen Präsidenten Daniel Arap Moi bei einer kirchlichen Veranstaltung. Es wird Moi zugeschrieben, Ruto an die Politik herangeführt zu haben, nachdem das Land 1992 zu einem demokratischen Mehrparteienstaat wurde.

Politischer Aufstieg, Fall und erneuter Aufstieg

Seine politische Karriere begann, als er für die “Partei für afrikanischen Nationalismus in Kenia” (KANU) Wahlkampf betrieb für Moi, der bei den ersten Wahlen im Mehrparteiensystem sein Amt verteidigen wollte – und konnte.

Ruto wechselt die Seiten

Nachdem die KANU 2002 die Macht verlor, erfand sich Ruto neu. Er verbündete sich mit Raila Odinga für die Wahlen im Jahr 2007, die zu Unruhen im Land führten. Mehr als 1000 Menschen kamen im Zuge der Gewaltexzesse nach der Wahl ums Leben, Hunderttausende waren auf der Flucht. Daraufhin erhob der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Anklage unter anderem gegen Ruto und Uhuru Kenyatta, der den Gegenkandidaten unterstützt hatte, und beschuldigte die beiden, Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Der IStGH stellte die Verfahren jedoch ein.

In Den Haag schlossen sich Ruto und Kenyatta zusammen und bewarben sich im Jahr 2013 um die Präsidentschaft – Kenyatta als Kandidat und Ruto als sein Stellvertreter. Sie gewannen die Wahl gegen Raila Odinga, was diesen Verlust für Odinga noch schmerzhafter gemacht haben dürfte. Bis dahin war Ruto bereits Innenminister, Landwirtschaftsminister und Minister für höhere Bildung. 2017 kandidierten sie als Team erneut gegen Odinga und wurden wiedergewählt.

Dann zerstritten sich die beiden aus nicht bekannten Gründen. Ruto und Kenyatta trennten sich 2021, und Ruto wurde im März von der United Democratic Alliance als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen aufgestellt. Kenyatta wandte sich gegen seinen Vize und unterstützte seinen bisherigen Konkurrenten Odinga. Doch auch diese Fehde hat Ruto nicht aufhalten können.

Zweifel bleiben

Ob Ruto tatsächlich als Kenias fünfter Regierungschef seit der Unabhängigkeit vereidigt wird, wird sich zeigen. Odinga liegt nach Angaben der Wahlkommission weniger als zwei Prozentpunkte hinter Ruto und hat bereits angekündigt, das äußerst knappe Ergebnis mit “allen verfassungsgemäßen und rechtlichen Mitteln” anzufechten. Zudem hatten kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse vier der sieben Mitglieder der Wahlkommission erklärt, dass die letzte Phase der Auszählung “undurchsichtig” gewesen sei und dass sie diese nicht unterstützen könnten.

Aus dem Englischen adaptiert von Uta Steinwehr.

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