Kultur

Vor 60 Jahren erschien das Beatles-Debüt “Please Please Me”

Im Januar 1963 wurde die Single “Please Please Me” zum ersten Nummer 1 Hit der Beatles. Schnell musste ein Album her – und das wurde an nur einem Tag mit vier erkälteten Beatles eingespielt.

“One-Two-Three-Four!” – ruft Paul McCartney ins Mikrofon – dann startet ein rauer, schneller Rock’n’Roll-Song, bei dem sofort der ganze Körper in Schwingung gerät. “I Saw Her Standing There”, ins Mikro gerotzt von einem leicht verschnupften Paul und einem ebenfalls erkälteten John Lennon. Es ist der fulminante Start eines Albums, das die vier Jungs aus Liverpool endgültig in die erste Reihe damaliger Popmusiker katapultiert. “Please Please Me” erscheint im Vereinigten Königreich am 22. März 1963, schießt direkt in die Top Ten der britischen Album-Charts, erreicht am 8. Mai die Spitzenposition und bleibt dort 30 Wochen am Stück. Abgelöst wird es vom zweiten Beatles-Album “With The Beatles”.

Dieser Erfolg ist die Belohnung für sechs Jahre Klinkenputzen, Erfahrung sammeln, dranbleiben. Und schließlich auch der Verdienst zweier Menschen, die an die Jungs glaubten: Brian Epstein, Plattenladen-Chef und Beatles-Manager, sowie Musikproduzent George Martin.

“One-Two-Three-Four!” – ruft Paul McCartney ins Mikrofon – dann startet ein rauer, schneller Rock’n’Roll-Song, bei dem sofort der ganze Körper in Schwingung gerät. “I Saw Her Standing There”, ins Mikro gerotzt von einem leicht verschnupften Paul und einem ebenfalls erkälteten John Lennon. Es ist der fulminante Start eines Albums, das die vier Jungs aus Liverpool endgültig in die erste Reihe damaliger Popmusiker katapultiert. “Please Please Me” erscheint im Vereinigten Königreich am 22. März 1963, schießt direkt in die Top Ten der britischen Album-Charts, erreicht am 8. Mai die Spitzenposition und bleibt dort 30 Wochen am Stück. Abgelöst wird es vom zweiten Beatles-Album “With The Beatles”.

Rückblick: Ende 1962 ist die Band in einem merkwürdigen Zustand, einerseits wird sie immer bekannter, andererseits spielt sie in kleinen Jugendclubs oder als Vorband anderer Künstler. Egal in welchem Rahmen – seit gut einem Jahr geben die Beatles nahezu ununterbrochen Konzerte. In Clubs in England, immer wieder in Hamburg, wo sie im “Star Club” quasi fest angestellt sind, in TV-Shows. Manchmal sind es zwei Gigs am Tag. Angekündigt werden sie als “The dynamic Beatles”, “The fabulous Beatles”, “The North’s No. 1 Rock Combo”, “The sensational Beatles”. Sie sind die Zugpferde des angesagten Liverpooler Cavern Club und haben eine einschlägige Fangemeinde, die immer weiter wächst.

Beatles: “Sensationell und fabelhaft”

Zwischen den Auftritten ruft George Martin die Jungs im November ins Studio. Die erste Single “Love Me Do”, die im Oktober 1962 erschienen war, erreicht zwar nur Platz 17 der Charts, macht die Beatles aber dennoch überregional bekannt. Und so muss schnell ein Nachfolger her. Martin will unbedingt den garantierten Hit “How Do You Do It”, geschrieben von Mitch Murray, einem in den 1960ern und 70er.Jahren gefragten Komponisten.

Doch die Beatles wollen ein selbst komponiertes Lied herausbringen, sie sind überzeugt von ihrem eigenen Material.

In der Schublade liegt John Lennons “Please Please Me”, aufgenommen im September 1962, bei den gleichen Sessions, in denen auch “Love Me Do” entstanden ist. John mochte das Wortspiel mit dem doppelten “Please” – auf Deutsch bedeutet der Titel soviel wie “Bitte erfreue mich”. So ist der Text für damalige Verhältnisse auch nahezu schlüpfrig, gespickt mit sexuellen Anspielungen. George Martin gefällt der Stil der vorliegenden Version des Songs nicht – zu eintönig, zu langsam. Und so stehen alle schließlich wieder im Studio und nehmen die Single auf, die die Beatles auf Platz Eins katapultieren soll.

Als die Aufnahmen im Kasten sind, ist George Martin zuversichtlich: “Ihr habt gerade eure erste Nummer Eins aufgenommen”. Am 11. Januar 1963 erscheint die Singleund Martins Rechnung geht sofort auf.

Jetzt haben auch alle außerhalb der düsteren und lauten Clubs verstanden: Diese Musik ist aufregend, schnell, kraftstrotzend und lebensfroh. Wie bei “Love Me Do” elektrisiert das Mundharmonika-Riff direkt zu Beginn von “Please Please Me”, dann folgt ein pulsierender Rhythmus, mit genialen Harmonien und noch genialeren Gesangslinien.

Inzwischen werden die immer noch täglichen Konzerte der Beatles mit den beiden Singles beworben. Die damals angesagte Sängerin Helen Shapiro nimmt die Jungs mit auf Tour – alles, was bespielt werden kann, wird mitgenommen, dafür sorgt Brian Epstein, der seinen Job als Manager sehr ernst nimmt. So sind die Musiker fix und fertig, als sie am 11. Februar 1963 von George Martin wieder ins Studio gerufen werden. Die erste Langspielplatte soll entstehen – und zwar an einem Tag!

George Martin will das Raue, Ursprüngliche aus den Jungs rausholen – durch die vielen Auftritte sitzen die Songs so gut, dass sie es tatsächlich schaffen, neben den bereits vorhandenen vier Titeln die restlichen zehn Songs live einzuspielen. Für die letzte Nummer “Twist and Shout” gibt John seiner angeschlagenen Stimme den Rest: Nach zwei Takes geht nichts mehr – und das kratzige Ergebnis hat sich bis heute in die Ohren von Millionen Beatles-Fans gefräst.

Martin benutzt lediglich ein Zwei-Spur-Tonbandgerät, nur wenige Instrumente werden dazu gemischt. Pro Song brauchen sie zwischen 15 und 90 Minuten. Nach knapp 13 Stunden, literweise Tee, Milch, Halstabletten und Zigaretten sind die Songs eingespielt, George Martin fügt später noch einige Klavierspuren hinzu. Die Produktionskosten sind trotz der eher einfach gehaltenen Aufnahmetechnik relativ hoch: 400 Pfund, was heute etwa 8.500 Euro entsprechen würde. Heute kostet eine einfache Albumproduktion ab circa 10.000 Euro aufwärts.

Dass eine Band auf ein Debütalbum so viele eigene Songs packt, ist zu jener Zeit nicht üblich: Nur sechs der insgesamt 14 Titel auf “Please Please Me” sind Coverversionen. Dass die Beatles ihre eigenen Songs gegenüber ihrem Produzenten durchgesetzt haben, führt dazu, dass das Duo Lennon/McCartney ganz schnell als Songschreiber anerkannt wird. Paul und John einigen sich darauf, immer ihre beiden Namen zu nennen, auch wenn ein Stück nur von einem der beiden geschrieben wurde.

Das Album “Please Please Me” klingt frisch und unverbraucht und zeugt von einer eisernen Disziplin, von absolutem Perfektionismus und dem unbedingten Willen, etwas ganz Großes zu schaffen. Es markiert nicht nur den Beginn der Beatle-Mania, die bald die ganze Welt erfassen wird, sondern auch die Geburt einer neuen Art Popmusik, und es inspiriert die nachfolgenden Musikergenerationen, es ihnen gleich zu tun.

Beatles Plattencover Please Please Me: Die vier Beatles lehnen sich über ein Geländer in einem mehrstöckigen Treppenhaus und schauen nach unten in die Kamera
Brian Epstein steht vor einer Wand, an der ein Gürtel mit einem Revolver als Kunstwerk hängt und hält eine Tasse Tee in der Hand.
Bandfoto von den Beatles 1963, die vier lächelnd vor schwarzem Hintergrund

“One-Two-Three-Four!” – ruft Paul McCartney ins Mikrofon – dann startet ein rauer, schneller Rock’n’Roll-Song, bei dem sofort der ganze Körper in Schwingung gerät. “I Saw Her Standing There”, ins Mikro gerotzt von einem leicht verschnupften Paul und einem ebenfalls erkälteten John Lennon. Es ist der fulminante Start eines Albums, das die vier Jungs aus Liverpool endgültig in die erste Reihe damaliger Popmusiker katapultiert. “Please Please Me” erscheint im Vereinigten Königreich am 22. März 1963, schießt direkt in die Top Ten der britischen Album-Charts, erreicht am 8. Mai die Spitzenposition und bleibt dort 30 Wochen am Stück. Abgelöst wird es vom zweiten Beatles-Album “With The Beatles”.

Dieser Erfolg ist die Belohnung für sechs Jahre Klinkenputzen, Erfahrung sammeln, dranbleiben. Und schließlich auch der Verdienst zweier Menschen, die an die Jungs glaubten: Brian Epstein, Plattenladen-Chef und Beatles-Manager, sowie Musikproduzent George Martin.

Beatles: “Sensationell und fabelhaft”

Rückblick: Ende 1962 ist die Band in einem merkwürdigen Zustand, einerseits wird sie immer bekannter, andererseits spielt sie in kleinen Jugendclubs oder als Vorband anderer Künstler. Egal in welchem Rahmen – seit gut einem Jahr geben die Beatles nahezu ununterbrochen Konzerte. In Clubs in England, immer wieder in Hamburg, wo sie im “Star Club” quasi fest angestellt sind, in TV-Shows. Manchmal sind es zwei Gigs am Tag. Angekündigt werden sie als “The dynamic Beatles”, “The fabulous Beatles”, “The North’s No. 1 Rock Combo”, “The sensational Beatles”. Sie sind die Zugpferde des angesagten Liverpooler Cavern Club und haben eine einschlägige Fangemeinde, die immer weiter wächst.

Zwischen den Auftritten ruft George Martin die Jungs im November ins Studio. Die erste Single “Love Me Do”, die im Oktober 1962 erschienen war, erreicht zwar nur Platz 17 der Charts, macht die Beatles aber dennoch überregional bekannt. Und so muss schnell ein Nachfolger her. Martin will unbedingt den garantierten Hit “How Do You Do It”, geschrieben von Mitch Murray, einem in den 1960ern und 70er.Jahren gefragten Komponisten.

Doch die Beatles wollen ein selbst komponiertes Lied herausbringen, sie sind überzeugt von ihrem eigenen Material.

In der Schublade liegt John Lennons “Please Please Me”, aufgenommen im September 1962, bei den gleichen Sessions, in denen auch “Love Me Do” entstanden ist. John mochte das Wortspiel mit dem doppelten “Please” – auf Deutsch bedeutet der Titel soviel wie “Bitte erfreue mich”. So ist der Text für damalige Verhältnisse auch nahezu schlüpfrig, gespickt mit sexuellen Anspielungen. George Martin gefällt der Stil der vorliegenden Version des Songs nicht – zu eintönig, zu langsam. Und so stehen alle schließlich wieder im Studio und nehmen die Single auf, die die Beatles auf Platz Eins katapultieren soll.

Texte mit sexuellen Anspielungen

Als die Aufnahmen im Kasten sind, ist George Martin zuversichtlich: “Ihr habt gerade eure erste Nummer Eins aufgenommen”. Am 11. Januar 1963 erscheint die Singleund Martins Rechnung geht sofort auf.

Husch, husch, ins Studio!

Jetzt haben auch alle außerhalb der düsteren und lauten Clubs verstanden: Diese Musik ist aufregend, schnell, kraftstrotzend und lebensfroh. Wie bei “Love Me Do” elektrisiert das Mundharmonika-Riff direkt zu Beginn von “Please Please Me”, dann folgt ein pulsierender Rhythmus, mit genialen Harmonien und noch genialeren Gesangslinien.

Inzwischen werden die immer noch täglichen Konzerte der Beatles mit den beiden Singles beworben. Die damals angesagte Sängerin Helen Shapiro nimmt die Jungs mit auf Tour – alles, was bespielt werden kann, wird mitgenommen, dafür sorgt Brian Epstein, der seinen Job als Manager sehr ernst nimmt. So sind die Musiker fix und fertig, als sie am 11. Februar 1963 von George Martin wieder ins Studio gerufen werden. Die erste Langspielplatte soll entstehen – und zwar an einem Tag!

George Martin will das Raue, Ursprüngliche aus den Jungs rausholen – durch die vielen Auftritte sitzen die Songs so gut, dass sie es tatsächlich schaffen, neben den bereits vorhandenen vier Titeln die restlichen zehn Songs live einzuspielen. Für die letzte Nummer “Twist and Shout” gibt John seiner angeschlagenen Stimme den Rest: Nach zwei Takes geht nichts mehr – und das kratzige Ergebnis hat sich bis heute in die Ohren von Millionen Beatles-Fans gefräst.

13 Stunden Aufnahmemarathon

Martin benutzt lediglich ein Zwei-Spur-Tonbandgerät, nur wenige Instrumente werden dazu gemischt. Pro Song brauchen sie zwischen 15 und 90 Minuten. Nach knapp 13 Stunden, literweise Tee, Milch, Halstabletten und Zigaretten sind die Songs eingespielt, George Martin fügt später noch einige Klavierspuren hinzu. Die Produktionskosten sind trotz der eher einfach gehaltenen Aufnahmetechnik relativ hoch: 400 Pfund, was heute etwa 8.500 Euro entsprechen würde. Heute kostet eine einfache Albumproduktion ab circa 10.000 Euro aufwärts.

Dass eine Band auf ein Debütalbum so viele eigene Songs packt, ist zu jener Zeit nicht üblich: Nur sechs der insgesamt 14 Titel auf “Please Please Me” sind Coverversionen. Dass die Beatles ihre eigenen Songs gegenüber ihrem Produzenten durchgesetzt haben, führt dazu, dass das Duo Lennon/McCartney ganz schnell als Songschreiber anerkannt wird. Paul und John einigen sich darauf, immer ihre beiden Namen zu nennen, auch wenn ein Stück nur von einem der beiden geschrieben wurde.

Der Anfang von etwas ganz Großem

Das Album “Please Please Me” klingt frisch und unverbraucht und zeugt von einer eisernen Disziplin, von absolutem Perfektionismus und dem unbedingten Willen, etwas ganz Großes zu schaffen. Es markiert nicht nur den Beginn der Beatle-Mania, die bald die ganze Welt erfassen wird, sondern auch die Geburt einer neuen Art Popmusik, und es inspiriert die nachfolgenden Musikergenerationen, es ihnen gleich zu tun.

George Martin sitzt an einem Mischpult, hinter ihm stehen große Tonbandgeräte.

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