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2040: Wie sind wir dann klimaneutral unterwegs?

Der Verkehr braucht viel Öl und das ist klimaschädlich. Bis 2040 könnten wir weltweit klimaneutral mobil sein, sagen Forscher. Davon würde nicht nur das Klima profitieren. Doch wie soll das gehen?

Wir sind im Jahr 2040: In der Großstadt ist es erstaunlich ruhig. Viele Menschen sind zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Kinder toben auf dem breiten Gehweg, im Café daneben sitzen Eltern unter einem Baum.

„Wir haben weniger Fahrzeuge, die die Städte blockieren, weniger Stau und weniger Parkplätze im Straßenraum. Das schafft Platz für Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder und steigert die Lebensqualität: Es gibt weniger Lärm, Abgase und Unfälle“, beschreibt Thorsten Koska die Atmosphäre in den Städten mit klimaneutraler Mobilität. Koska ist Verkehrsforscher am Wuppertal Institut und Co-Autor des Buchs Nachhaltige Mobilität für alle.

Wir sind im Jahr 2040: In der Großstadt ist es erstaunlich ruhig. Viele Menschen sind zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Kinder toben auf dem breiten Gehweg, im Café daneben sitzen Eltern unter einem Baum.

In Zukunft wären dann die Bürger nicht weniger mobil, jedoch deutlich weniger mit einem PKW unterwegs. „Das heißt: Die Fahrten und Wege werden verlagert auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel. Das sind in den Städten vor allem mehr Wege zu Fuß, mit dem Rad und mit Bus oder Schienenpersonennahverkehr,“ sagt Wiebke Zimmer von der Denkfabrik Agora Verkehrswende in Berlin

Weniger eigene Autos

„In unserer Vorstellung werden PKW ausschließlich mit Batterien betrieben“, skizziert Zimmer die Zukunft. In den Städten seien auch die meisten Busse und LKW elektrisch unterwegs. Der Grund liegt laut Zimmer in der Effizienz: E-Fahrzeuge verbrauchten rund fünf Mal weniger Energie im Vergleich zu denen mit Verbrennungsmotor, die mit synthetisch erzeugten Kraftstoffen dann klimaneutral fahren könnten.

Laut einer Projektion von Agora Verkehrswende wird sich in klimaneutralen Städten von Deutschland der Radverkehr und der öffentliche Verkehr im Vergleich zu heute verdoppeln und der Autoverkehr um 70 Prozent reduzieren. 

„Wenn wir nicht mehr so viel Fläche für parkende und fahrende Autos brauchen, dann wird die Fläche frei für andere Dinge. In Kopenhagen sieht man das schon heute ganz gut“, so Zimmer.

„Dort ist der Fahrradverkehrsanteil deutlich höher und der PKW-Verkehr niedriger. Diese Flächen werden genutzt für Grünflächen und Parkanlagen. Cafés können sich nach draußen ausbreiten, ohne dass man direkt an der Straße sitzt. Es ist einfach mehr Lebensqualität in der Stadt.“

Wie komme ich von A nach B? Welche Angebote gibt es, was ist attraktiv, bequem, schnell, günstig, macht Spaß und hält fit? Die Antworten darauf entscheiden über die Wahl der Verkehrsmittel.

„Die Zukunft ist für mich, dass wir wieder zur sogenannten Zehn-Minuten-Stadt kommen. Die Schule für die Kinder, der Einkauf, das Café, alles ist in unmittelbarer Nähe und in zehn Minuten zu Fuß erreichbar“, sagt Stefan Gössling, Professor für Tourismus an der Universität Linnaeus in Schweden.

„Viele Vorbilder gibt es bereits, in denen das realisiert ist. Barcelona ist da zu nennen mit den Superblocks, also mit weitgehend vom Autoverkehr befreiten Stadtteilen.“

Wichtig für den Umstieg aufs Rad sind laut Experten sichere und breite Radwege möglichst abseits vom Autoverkehr. Dann macht Radfahren an der frischen Luft Spaß und das Ziel wird schnell erreicht.

Einige Städte fördern den Radverkehr bereits heute stark. Laut Koska wird dies künftig zunehmen – auch auf dem Land. „Wir werden mehr Leute auf dem Fahrrad sehen, weil wir bessere Verkehrsverbindungen haben, zum Beispiel auch Radschnellwege, sodass mit E-Bikes auf einer Strecke von zehn Kilometern entspanntes Ankommen ermöglicht wird.“  

Entscheidend für die Zukunft ist zudem ein attraktiver öffentlicher Verkehr mit bequemen Fahrzeugen, guter Taktung sowie günstigen oder kostenlosen Tickets. Die Fahrt mit einem eigenen Auto wird so für viele überflüssig und finanziell weniger attraktiv. „Das Auto ist derzeit einer der Hauptfaktoren der privaten Ausgaben und kostet in der kleinsten Variante mindestens 6000 Euro im Jahr“, sagt Gössling. 

„Ein ganz entscheidender Punkt sind darüber hinaus Sharing-Angebote, mit denen man die Wege machen kann, die man nicht mit dem eigenen Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann“, ergänzt Koska. „Wenn zum Beispiel Carsharing-Fahrzeuge flächendeckend in Städten verfügbar sind, dann leihe ich mal ein Auto aus, wenn ich es brauche.“ Auch Fahrräder, Lastenräder, kleine oder größere Elektroroller können dann unkompliziert und spontan in den Quartieren und Bahnstationen ausgeliehen werden.

Zentral sind laut Koska zudem einfache und intuitive Buchungssysteme für alle Verkehrsmittel, die gebündelt über eine App laufen. Auf dem Handy wird dann die beste Route mit ausgewählten Verkehrsmitteln gebucht und am Bahnhof auf dem Land steht dann auch das Sammeltaxi oder Leihfahrzeug für die Weiterfahrt zur Verfügung.

Der Verkehr verursacht weltweit „derzeit rund 25 Prozent aller Klimagasemissionen“, sagt Gössling. Laut einer Studie des Wuppertal Instituts müsste Deutschland 2035 klimaneutral sein, wenn das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden soll. Andere Länder mit weniger CO2-Ausstoß pro Person hätten demnach ein paar Jahre mehr Zeit. „Wenn wir eine realistische Chance haben wollen, im Rahmen des Ziels zu bleiben, dann muss viel passieren in sehr kurzer Zeit, auch gerade im Verkehr“, betont Gössling. 

Trotz der großen Herausforderung sind die Forscher überzeugt, dass die Verkehrswende noch rechtzeitig gelingen kann. „Wir brauchen den Klimaschutz für die nachfolgenden Generationen und wir brauchen den politischen Willen. Ich glaube, dass das funktioniert, die ersten Ansätze sind zu beobachten“, sagt Zimmer. „Die Menschen gehen mit, wenn das gut kommuniziert wird und es auch sozialverträglich ausgestaltet wird.“

Koska teilt diese Einschätzungen und betont die niedrigen Kosten einer nachhaltigen Mobilität. Mehr Menschen auf der Welt würde so der Zugang zu mehr Mobilität ermöglicht. Einen klimaneutralen Verkehr hält er bis 2040 weltweit für möglich: „Es kann nur funktionieren, wenn wirklich mit vereinten Kräften angepackt wird. Es gibt gute Gründe dafür und es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse.“

 

Fahrradfahrer in der Innenstadt von Kopenhagen
In Nantes fährt ein Elektrobus mit 2 Gelenken auf der Straße
Barcelona. Die Straße ist für den Autoverkehr gesperrt. Die Bürger sitzen draußen in Cafés und ein Fahrradfahrer fährt vorbei.

Wir sind im Jahr 2040: In der Großstadt ist es erstaunlich ruhig. Viele Menschen sind zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Kinder toben auf dem breiten Gehweg, im Café daneben sitzen Eltern unter einem Baum.

„Wir haben weniger Fahrzeuge, die die Städte blockieren, weniger Stau und weniger Parkplätze im Straßenraum. Das schafft Platz für Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder und steigert die Lebensqualität: Es gibt weniger Lärm, Abgase und Unfälle“, beschreibt Thorsten Koska die Atmosphäre in den Städten mit klimaneutraler Mobilität. Koska ist Verkehrsforscher am Wuppertal Institut und Co-Autor des Buchs Nachhaltige Mobilität für alle.

Weniger eigene Autos

In Zukunft wären dann die Bürger nicht weniger mobil, jedoch deutlich weniger mit einem PKW unterwegs. „Das heißt: Die Fahrten und Wege werden verlagert auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel. Das sind in den Städten vor allem mehr Wege zu Fuß, mit dem Rad und mit Bus oder Schienenpersonennahverkehr,“ sagt Wiebke Zimmer von der Denkfabrik Agora Verkehrswende in Berlin

„In unserer Vorstellung werden PKW ausschließlich mit Batterien betrieben“, skizziert Zimmer die Zukunft. In den Städten seien auch die meisten Busse und LKW elektrisch unterwegs. Der Grund liegt laut Zimmer in der Effizienz: E-Fahrzeuge verbrauchten rund fünf Mal weniger Energie im Vergleich zu denen mit Verbrennungsmotor, die mit synthetisch erzeugten Kraftstoffen dann klimaneutral fahren könnten.

Laut einer Projektion von Agora Verkehrswende wird sich in klimaneutralen Städten von Deutschland der Radverkehr und der öffentliche Verkehr im Vergleich zu heute verdoppeln und der Autoverkehr um 70 Prozent reduzieren. 

„Wenn wir nicht mehr so viel Fläche für parkende und fahrende Autos brauchen, dann wird die Fläche frei für andere Dinge. In Kopenhagen sieht man das schon heute ganz gut“, so Zimmer.

Fahrzeuge bei Bedarf ausleihen

„Dort ist der Fahrradverkehrsanteil deutlich höher und der PKW-Verkehr niedriger. Diese Flächen werden genutzt für Grünflächen und Parkanlagen. Cafés können sich nach draußen ausbreiten, ohne dass man direkt an der Straße sitzt. Es ist einfach mehr Lebensqualität in der Stadt.“

Wie realistisch ist die Wende bis 2040? 

Wie komme ich von A nach B? Welche Angebote gibt es, was ist attraktiv, bequem, schnell, günstig, macht Spaß und hält fit? Die Antworten darauf entscheiden über die Wahl der Verkehrsmittel.

„Die Zukunft ist für mich, dass wir wieder zur sogenannten Zehn-Minuten-Stadt kommen. Die Schule für die Kinder, der Einkauf, das Café, alles ist in unmittelbarer Nähe und in zehn Minuten zu Fuß erreichbar“, sagt Stefan Gössling, Professor für Tourismus an der Universität Linnaeus in Schweden.

„Viele Vorbilder gibt es bereits, in denen das realisiert ist. Barcelona ist da zu nennen mit den Superblocks, also mit weitgehend vom Autoverkehr befreiten Stadtteilen.“

Wichtig für den Umstieg aufs Rad sind laut Experten sichere und breite Radwege möglichst abseits vom Autoverkehr. Dann macht Radfahren an der frischen Luft Spaß und das Ziel wird schnell erreicht.

Einige Städte fördern den Radverkehr bereits heute stark. Laut Koska wird dies künftig zunehmen – auch auf dem Land. „Wir werden mehr Leute auf dem Fahrrad sehen, weil wir bessere Verkehrsverbindungen haben, zum Beispiel auch Radschnellwege, sodass mit E-Bikes auf einer Strecke von zehn Kilometern entspanntes Ankommen ermöglicht wird.“  

Entscheidend für die Zukunft ist zudem ein attraktiver öffentlicher Verkehr mit bequemen Fahrzeugen, guter Taktung sowie günstigen oder kostenlosen Tickets. Die Fahrt mit einem eigenen Auto wird so für viele überflüssig und finanziell weniger attraktiv. „Das Auto ist derzeit einer der Hauptfaktoren der privaten Ausgaben und kostet in der kleinsten Variante mindestens 6000 Euro im Jahr“, sagt Gössling. 

„Ein ganz entscheidender Punkt sind darüber hinaus Sharing-Angebote, mit denen man die Wege machen kann, die man nicht mit dem eigenen Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann“, ergänzt Koska. „Wenn zum Beispiel Carsharing-Fahrzeuge flächendeckend in Städten verfügbar sind, dann leihe ich mal ein Auto aus, wenn ich es brauche.“ Auch Fahrräder, Lastenräder, kleine oder größere Elektroroller können dann unkompliziert und spontan in den Quartieren und Bahnstationen ausgeliehen werden.

Carsharing in Hamburg. Ein Mann hält eine Karte an die Windschutzscheibe und öffnet damit das Fahrzeug

Zentral sind laut Koska zudem einfache und intuitive Buchungssysteme für alle Verkehrsmittel, die gebündelt über eine App laufen. Auf dem Handy wird dann die beste Route mit ausgewählten Verkehrsmitteln gebucht und am Bahnhof auf dem Land steht dann auch das Sammeltaxi oder Leihfahrzeug für die Weiterfahrt zur Verfügung.

Der Verkehr verursacht weltweit „derzeit rund 25 Prozent aller Klimagasemissionen“, sagt Gössling. Laut einer Studie des Wuppertal Instituts müsste Deutschland 2035 klimaneutral sein, wenn das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden soll. Andere Länder mit weniger CO2-Ausstoß pro Person hätten demnach ein paar Jahre mehr Zeit. „Wenn wir eine realistische Chance haben wollen, im Rahmen des Ziels zu bleiben, dann muss viel passieren in sehr kurzer Zeit, auch gerade im Verkehr“, betont Gössling. 

Trotz der großen Herausforderung sind die Forscher überzeugt, dass die Verkehrswende noch rechtzeitig gelingen kann. „Wir brauchen den Klimaschutz für die nachfolgenden Generationen und wir brauchen den politischen Willen. Ich glaube, dass das funktioniert, die ersten Ansätze sind zu beobachten“, sagt Zimmer. „Die Menschen gehen mit, wenn das gut kommuniziert wird und es auch sozialverträglich ausgestaltet wird.“

Koska teilt diese Einschätzungen und betont die niedrigen Kosten einer nachhaltigen Mobilität. Mehr Menschen auf der Welt würde so der Zugang zu mehr Mobilität ermöglicht. Einen klimaneutralen Verkehr hält er bis 2040 weltweit für möglich: „Es kann nur funktionieren, wenn wirklich mit vereinten Kräften angepackt wird. Es gibt gute Gründe dafür und es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse.“

 

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