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Russlands Propaganda-Pläne in Afrika

Der russische Staatssender RT eröffnet in Südafrika ein Medienzentrum und sucht Verbündete in Afrika. Noch stößt die Propagandamaschine des Kreml auf wenig Resonanz, doch insgesamt wächst der russische Einfluss rasch.

Bethlehem Endale ist Zahnärztin. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine floh sie mit ihren beiden Schwestern von Charkiw nach Stuttgart – ihre Eltern verließen die Ukraine in Richtung ihres Heimatlands Äthiopien. Dort seien sie der Desinformation des Kreml ausgesetzt, sagt Bethlehem, genannt Betty, im DW-Interview: „Die russische Propaganda ist sehr präsent in Afrika, es gibt viele Falschinformationen.“

„Viele Äthiopier schauen Russia Today, russisches Fernsehen, und hören Propaganda“, sagt sie. Ihre Gespräche mit den Eltern endeten häufig in Streit. Sie waren – wie viele Afrikaner – mit einem Studentenaustauschprogramm zu Zeiten der Sowjetunion in die Ukraine gekommen. „Sie sind gebildet“, sagt Betty.

Bethlehem Endale ist Zahnärztin. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine floh sie mit ihren beiden Schwestern von Charkiw nach Stuttgart – ihre Eltern verließen die Ukraine in Richtung ihres Heimatlands Äthiopien. Dort seien sie der Desinformation des Kreml ausgesetzt, sagt Bethlehem, genannt Betty, im DW-Interview: „Die russische Propaganda ist sehr präsent in Afrika, es gibt viele Falschinformationen.“

Aber in den russischen Kulturzentren in Äthiopien erhielten sie falsche Informationen zum Krieg. „Sie verstehen nicht, dass die Ukraine ein Recht auf ihre Existenz hat – sie sind einer Gehirnwäsche unterzogen worden, so wie viele Russen auch.“

„Propaganda und Gehirnwäsche“

Noch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch aus der südafrikanischen Wirtschaftsmetropole Johannesburg verstärkt russische Propaganda ausgestrahlt wird: Der russische Staatssender RT – früher als „Russia Today“ bekannt und im Westen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verboten – will das erste englischsprachige Hauptquartier auf dem Kontinent in Südafrika errichten. Zuvor war die kenianische Hauptstadt Nairobi als Standort im Gespräch.

Die Medienkampagne Russlands ist laut Guido Lanfranchi vom niederländischen Clingendael-Institut Teil einer Strategie Putins für mehr Macht auf dem Kontinent: „Die Rolle russischer Medien wie RT und Sputnik in Afrika ist in letzter Zeit in den Blickpunkt gerückt. Insbesondere nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Diese mediale Charme-Offensive steht im Zusammenhang mit Russlands Bestreben, seine Präsenz auf dem Kontinent wieder zu verstärken“, sagt Lanfranchi zur DW.

Inwieweit die Botschaften bei der Bevölkerung verfangen, sei noch unklar: „Anekdotische Hinweise deuten darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Menschen in Afrika Zugang zu diesen Medien hat und dass dies ihre Wahrnehmung Russlands positiv beeinflusst“, sagt Lanfranchi.

Wie läuft die Kreml-Desinformationskampagne auf dem Kontinent und wie reagieren die Medien darauf? „Manche eher indifferent – also gleichgültig -, andere sind sehr explizit in ihrer Kritik am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, sagt Christoph Plate im DW-Interview. Er leitet das Medienprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung für Subsahara-Afrika in Johannesburg. 

Es gebe keine Massenbewegung, die Debatten verliefen unterschiedlich von Land zu Land, bilanziert Plate. Normale Leute auf der Straße interessiere der Krieg, der weit weg sei, nicht so sehr. „Aber unter Journalisten, Diplomaten und Regierungsbeamten wird dieser Krieg heftig diskutiert.“ Auch zahlreiche russische Botschaften auf dem Kontinent seien sehr aktiv dabei, falsche Informationen zu veröffentlichen oder einen Meinungsartikel in Zeitungen unterzubringen. 

Das russische Narrativ, das in den Medien Verbreitung finden soll, entwickele sich zu einer Erzählung, dass Russland nie eine Kolonialmacht gewesen sei und nie imperialistische Ambitionen gehabt habe. „Das verfängt bei dem einen oder anderen, aber eher aus dem Gefühl heraus, hier bietet jemand der westlichen Dominanz die Stirn“, sagt Plate.

Dabei helfen alte Verbindungen, die im Zuge von Russlands Afrikapolitik wieder aktiviert werden. Sie seien auf die politischen Beziehungen während des Kalten Krieges zurückzuführen: „Es gab zur Zeit der Sowjetunion militärische Kooperationen und es wurden abertausende Stipendien vergeben an Studenten aus afrikanischen Ländern“, so Plate. 

Viele der einstigen Stipendiaten landeten in afrikanischen Führungspositionen – wie in Südafrika, Angola und der Zentralafrikanischen Republik – und behielten die Verbundenheit bei, zumal die damalige UdSSR die afrikanischen Freiheitsbewegungen unterstützte. Das habe auch die Geisteshaltung in Afrika geprägt, analysiert Clingendael-Experte Guido Lanfranchi. Vielen afrikanischen Regierungen gilt Russland als Partner – was sich auch im Abstimmungsverhalten bei den Vereinten Nationen zeigte.

Bei der Betrachtung von Russlands Engagement in Afrika sei es wichtig, die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken, betont Lanfranchi. Derzeit sei Russlands Einfluss in vielen Wirtschaftsbereichen schwach – nur im Bereich der Sicherheitskooperation sei sie von Bedeutung: Russland war mit 44 Prozent des Gesamtvolumens zuletzt größter Waffenlieferant für afrikanische Regierungen, berichtete das Stockholmer SIPRI-Institut im Frühjahr. In Mali und der Zentralafrikanischen Republik sind zudem russische Söldner aktiv.

Russlands Einfluss in Afrika wachse in allen Bereichen recht schnell, sagt Lanfranchi. Der Abbruch der Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen könnte diesen Trend noch beschleunigen, da Russland auf internationaler Ebene nach neuen Verbündeten sucht, so dass wir in Zukunft eine stärkere russische Präsenz auf dem Kontinent sehen könnten.“

Besser als nur zu reagieren sei Vorbeugung, sagt Lanfranchi. Faktencheck-Teams prüften die Behauptungen von russischer Seite, aber Medienorganisationen müssten kritischer schauen, welche ausländischen Medien in ihren Ländern aktiv seien und welche Ziele sie verfolgten.

Symbolbild Russia Today Logo
Äthiopien | Russlands Außenminister Sergei Lawrow in Addis Ababa
RT-Logo auf einem Smartphone-Bildschirm

Bethlehem Endale ist Zahnärztin. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine floh sie mit ihren beiden Schwestern von Charkiw nach Stuttgart – ihre Eltern verließen die Ukraine in Richtung ihres Heimatlands Äthiopien. Dort seien sie der Desinformation des Kreml ausgesetzt, sagt Bethlehem, genannt Betty, im DW-Interview: „Die russische Propaganda ist sehr präsent in Afrika, es gibt viele Falschinformationen.“

„Viele Äthiopier schauen Russia Today, russisches Fernsehen, und hören Propaganda“, sagt sie. Ihre Gespräche mit den Eltern endeten häufig in Streit. Sie waren – wie viele Afrikaner – mit einem Studentenaustauschprogramm zu Zeiten der Sowjetunion in die Ukraine gekommen. „Sie sind gebildet“, sagt Betty.

„Propaganda und Gehirnwäsche“

Aber in den russischen Kulturzentren in Äthiopien erhielten sie falsche Informationen zum Krieg. „Sie verstehen nicht, dass die Ukraine ein Recht auf ihre Existenz hat – sie sind einer Gehirnwäsche unterzogen worden, so wie viele Russen auch.“

Noch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch aus der südafrikanischen Wirtschaftsmetropole Johannesburg verstärkt russische Propaganda ausgestrahlt wird: Der russische Staatssender RT – früher als „Russia Today“ bekannt und im Westen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verboten – will das erste englischsprachige Hauptquartier auf dem Kontinent in Südafrika errichten. Zuvor war die kenianische Hauptstadt Nairobi als Standort im Gespräch.

Die Medienkampagne Russlands ist laut Guido Lanfranchi vom niederländischen Clingendael-Institut Teil einer Strategie Putins für mehr Macht auf dem Kontinent: „Die Rolle russischer Medien wie RT und Sputnik in Afrika ist in letzter Zeit in den Blickpunkt gerückt. Insbesondere nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Diese mediale Charme-Offensive steht im Zusammenhang mit Russlands Bestreben, seine Präsenz auf dem Kontinent wieder zu verstärken“, sagt Lanfranchi zur DW.

Inwieweit die Botschaften bei der Bevölkerung verfangen, sei noch unklar: „Anekdotische Hinweise deuten darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Menschen in Afrika Zugang zu diesen Medien hat und dass dies ihre Wahrnehmung Russlands positiv beeinflusst“, sagt Lanfranchi.

Propaganda ist Teil einer größeren Strategie

Wie läuft die Kreml-Desinformationskampagne auf dem Kontinent und wie reagieren die Medien darauf? „Manche eher indifferent – also gleichgültig -, andere sind sehr explizit in ihrer Kritik am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, sagt Christoph Plate im DW-Interview. Er leitet das Medienprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung für Subsahara-Afrika in Johannesburg. 

Debatten unterscheiden sich von Land zu Land

Es gebe keine Massenbewegung, die Debatten verliefen unterschiedlich von Land zu Land, bilanziert Plate. Normale Leute auf der Straße interessiere der Krieg, der weit weg sei, nicht so sehr. „Aber unter Journalisten, Diplomaten und Regierungsbeamten wird dieser Krieg heftig diskutiert.“ Auch zahlreiche russische Botschaften auf dem Kontinent seien sehr aktiv dabei, falsche Informationen zu veröffentlichen oder einen Meinungsartikel in Zeitungen unterzubringen. 

Das russische Narrativ, das in den Medien Verbreitung finden soll, entwickele sich zu einer Erzählung, dass Russland nie eine Kolonialmacht gewesen sei und nie imperialistische Ambitionen gehabt habe. „Das verfängt bei dem einen oder anderen, aber eher aus dem Gefühl heraus, hier bietet jemand der westlichen Dominanz die Stirn“, sagt Plate.

Dabei helfen alte Verbindungen, die im Zuge von Russlands Afrikapolitik wieder aktiviert werden. Sie seien auf die politischen Beziehungen während des Kalten Krieges zurückzuführen: „Es gab zur Zeit der Sowjetunion militärische Kooperationen und es wurden abertausende Stipendien vergeben an Studenten aus afrikanischen Ländern“, so Plate. 

Rückgriffe auf Kolonialzeit und Kalten Krieg

Viele der einstigen Stipendiaten landeten in afrikanischen Führungspositionen – wie in Südafrika, Angola und der Zentralafrikanischen Republik – und behielten die Verbundenheit bei, zumal die damalige UdSSR die afrikanischen Freiheitsbewegungen unterstützte. Das habe auch die Geisteshaltung in Afrika geprägt, analysiert Clingendael-Experte Guido Lanfranchi. Vielen afrikanischen Regierungen gilt Russland als Partner – was sich auch im Abstimmungsverhalten bei den Vereinten Nationen zeigte.

Bei der Betrachtung von Russlands Engagement in Afrika sei es wichtig, die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken, betont Lanfranchi. Derzeit sei Russlands Einfluss in vielen Wirtschaftsbereichen schwach – nur im Bereich der Sicherheitskooperation sei sie von Bedeutung: Russland war mit 44 Prozent des Gesamtvolumens zuletzt größter Waffenlieferant für afrikanische Regierungen, berichtete das Stockholmer SIPRI-Institut im Frühjahr. In Mali und der Zentralafrikanischen Republik sind zudem russische Söldner aktiv.

Russlands Einfluss wächst schnell

Russlands Einfluss in Afrika wachse in allen Bereichen recht schnell, sagt Lanfranchi. Der Abbruch der Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen könnte diesen Trend noch beschleunigen, da Russland auf internationaler Ebene nach neuen Verbündeten sucht, so dass wir in Zukunft eine stärkere russische Präsenz auf dem Kontinent sehen könnten.“

Besser als nur zu reagieren sei Vorbeugung, sagt Lanfranchi. Faktencheck-Teams prüften die Behauptungen von russischer Seite, aber Medienorganisationen müssten kritischer schauen, welche ausländischen Medien in ihren Ländern aktiv seien und welche Ziele sie verfolgten.

Straßburg | Russland vom Europarat ausgeschlossen | russische Flagge eingeholt

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