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Slowflowers: umweltfreundliche Blumen zum Valentinstag

Herkömmliche Schnittblumen, etwa Rosen, sind häufig mit Pestiziden belastet. Und ihr Energie- und Wasserverbrauch ist oft enorm. Die Slowflower-Bewegung setzt dagegen auf regionale und saisonale Blumen – auch im Winter.

Würden Sie ihren Liebsten einen bunten Chemiecocktail schenken? Sicher nicht. Doch genau das droht laut der Umweltschutzorganisation BUND bei Sträußen konventionell erzeugter Blumen – vor allem bei Rosen, die am häufigsten zum Valentinstag am 14. Februar verschenkt werden.

So fand die deutsche Zeitschrift Öko-Test kürzlich in 21 untersuchten Rosensträußen insgesamt 54 verschiedene Pestizide. Auf drei Vierteln der Sträuße kleben Spritzmittel, deren Anwendung in Europa verboten ist.

Würden Sie ihren Liebsten einen bunten Chemiecocktail schenken? Sicher nicht. Doch genau das droht laut der Umweltschutzorganisation BUND bei Sträußen konventionell erzeugter Blumen – vor allem bei Rosen, die am häufigsten zum Valentinstag am 14. Februar verschenkt werden.

Denn im Winter werden die meisten Rosen aus Ländern des globalen Südens eingeflogen. Dort wachsen sie unter klimatisch günstigen Bedingungen, doch Pestizide im konventionellen Anbau belasten laut BUND die Umwelt und die Beschäftigten in der Blumenindustrie. Zudem haben “Flug-Blumen”, ebenso wie Schnittblumen aus konventionell beheizten Gewächshäusern etwa in den Niederlanden , einen hohen CO2-Fußabdruck.

Slowflowers: regional, saisonal und ohne Pestizide

Was also tun? Sind regionale und “unbeheizte” Blumen im Februar auf der Nordhalbkugel Mangelware – oder?

Es gebt durchaus Möglichkeiten, sagt Elke Markwort, die in der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen ein Blumengeschäft betreibt. Es müsse ja nicht immer eine rote Rose zum Valentinstag sein. “Auch Frühlingsblüher sind schöne Valentinsgrüße. Ich habe zum Beispiel Auflaufformen in Herzform gekauft und da kleine Muskari (Traubenhyazinthen – Anm.d.Red.) reingepflanzt und mit Filzherzen aus Fairtrade-Projekten geschmückt.”

In ihrem Blumengeschäft bietet die Floristin neben konventionell angebauten Blumen auch sogenannte Slowflowers an, die sie in den wärmeren Monaten auf einem eigenen Blumenfeld anbaut.

Markwort gehört zusammen mit anderen Floristen und Blumengärtnern zu den Fördermitgliedern der deutschen Slowflower-Bewegung. In dem Verein habe sich Menschen zusammengeschlossen, die Blumen selbst anbauen und verkaufen, auch Hobbygärtner und Eventfloristinnen sind dabei. Das Motto: nachhaltige Schnittblumen aus der Region frei von Pestiziden und chemischem Dünger.

“Bei Lebensmitteln achten mittlerweile viele Menschen darauf, wo sie herkommen und wie sie angebaut wurden – bei Blumen ist das leider noch nicht so oft der Fall”, sagt Jane Silburn, Flowerfarmerin und Pressesprecherin der Slowflower-Bewegung.

“Wir nutzen nachhaltig produziertes Saatgut, versuchen, unseren eigenen Kompost aus den Pflanzenresten zu machen und verwenden keinen Steckschaum”, erklärt Silburn. Denn der Schaum, der Blumengestecke zusammenhält und mit Wasser getränkt wird, um sie feucht zu halten, besteht aus aufgeschäumtem Kunststoff. Er ist extrem porös, darum lösen sich beim Bearbeiten und Bewässern jedesmal winzige Teile, die dann als Mikroplastik in der Umwelt landen. 

Auch im Winter könnten viele Blumenarrangements nach den Leitlinien der Slowflower-Bewegung zusammengestellt werden, betont Silburn. Neben vorgezogenen Blüten aus Blumenzwiebeln gebe es mancherorts auch schon die ersten Tulpen, die aus unbeheizten, aber sonnenbeschienenen Gewächshäusern stammten, dazu Zweige von Obstbäumen, die in warmen Wohnungen zu blühen beginnen.

“Gerade im Winter entstehen spannende Werkstücke, wenn man etwa mit knorrigen Ästen arbeitet – es gibt es ganz viel Textur, Struktur und vieles, was auch neben der klassischen Blüte wunderschön ist und zum Winter und bald beginnenden Frühling passt.”

Eine weitere Möglichkeit, im Winter für Farbe in der Vase zu sorgen: Sträuße aus Trockenblumen. Die sind laut Jane Silburn derzeit der absolute Renner. Die Blüten werden im Sommer geerntet, schonend getrocknet, um möglichst viel Farbe zu erhalte, und dann für den Winter aufbewahrt – ganz ohne stabilisierende Chemikalien, die bei konventionellen Trockenblumen häufig verwendet werden.

“Tolle Trockenblumen sind zum Beispiel Strohblumen, Strandflieder, Lavendel. Aber auch Hortensien trocknen wunderschön.” Geeignet seien auch Samenstände, etwa von Mohn, ebenso Gräser und Blattpflanzen.

Tatsächlich liegen Trockenblumen derzeit stark im Trend, wie ein Blick auf viele Social-Media-Plattformen beweist. Und auch im Geschäft von Elke Markwort in Münster verkaufen sich die Sträuße gut. “Ich freue mich darüber, dass es wieder eine Nachfrage nach Trockenblumen gibt. Im Winter haben wir wunderschöne Taler vom Silberblatt, also Lunaria, aus eigenem Anbau gehabt, und das kombiniert mit eigenem Eukalyptus und eigenen Zweigen von unserem Feld.”

In Großbritannien gründete sich die Organisation “Flowers from the Farm” (Blumen vom Bauernhof) bereits vor zehn Jahren und zählt mittlerweile mehr als 1000 Mitglieder. Auch in den USA oder in Italien gibt es Slowflower-Bewegungen. Der Slowflower-Verein im deutschsprachigen Raum zählt derzeit etwas mehr als 200 Mitglieder – in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Mehr als drei Viertel davon arbeiten alleine oder zu zweit, und mehr als die Hälfte übt das Geschäft mit den nachhaltigen Blumen als Nebenerwerb aus. 

Daher lassen sich Slowflowers längst noch nicht in jedem Blumenladen finden. Viele Anbauende verkauften ihre Produkte auch über Online-Shops, so wie Jane Silburn. Man sei sich bewusst, dass auch bei dem Transport der Online-Lieferung Emissionen freigesetzt würden – dennoch: “Wir finden, es ist das kleinere Übel, nachhaltige Blumen zu verschicken, als den Leuten zu sagen: Wenn Du nicht in der Nähe eines Slowflower-Felds wohnst, musst Du eben konventionelle Blumen kaufen.”

Verpackt wird möglichst plastikfrei. Auch genmanipulierte Pflanzen sind bei der Bewegung tabu.

Aber: Slowflower ist nicht gleich Bio. Es gebe zwar auch Bio-Betriebe in der Bewegung, so Silburn. Aber ein Slowflower-Zertifikat, das wie das Bio-Siegel nach einer Kontrolle durch unabhängige Prüfstellen vergeben wird, gebe es nicht. Bei der Einhaltung der Leitlinien setzt der Verein auf Freiwilligkeit.

Im Vergleich zu Blumen, die in Massen in den Supermärkten verkauft werden, sind Slowflowers teurer. Denn es stecke sehr viel Handarbeit darin: vom Anbau, über die Pflege der Blumenfelder, bis zur Ernte, erklärt Silburn. “Eine Blume ist natürlich ein Luxusprodukt – und das darf sie auch sein. Man sollte Blumen wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen und sie nicht als billiges Massenprodukt sehen.” Denn die Folgen davon seien bekannt.

Trotz der höheren Preise sei die Nachfrage nach den regional und nachhaltig angebauten Blumen gut, sagt Blumenladeninhaberin Markwort. Im Geschäft hat sie ihre Slowflowers mit kleinen Zetteln versehen. “Wir weisen immer auf sie hin, weil wir sie selber einfach wirklich toll finden.” Die meisten Menschen, die in ihr Geschäft kämen, ließen sich für die heimischen Blumen begeistern, berichtet sie. “Und die kommen dann oft genau deswegen wieder – wir haben mittlerweile eine richtige kleine Slowflower-Fangemeinde.”

Drei Frauen und ein Mann ernten rote Rosen in einem Gewächshaus in der Nähe von Naivasha im Nordwesten Kenias

Würden Sie ihren Liebsten einen bunten Chemiecocktail schenken? Sicher nicht. Doch genau das droht laut der Umweltschutzorganisation BUND bei Sträußen konventionell erzeugter Blumen – vor allem bei Rosen, die am häufigsten zum Valentinstag am 14. Februar verschenkt werden.

So fand die deutsche Zeitschrift Öko-Test kürzlich in 21 untersuchten Rosensträußen insgesamt 54 verschiedene Pestizide. Auf drei Vierteln der Sträuße kleben Spritzmittel, deren Anwendung in Europa verboten ist.

Slowflowers: regional, saisonal und ohne Pestizide

Denn im Winter werden die meisten Rosen aus Ländern des globalen Südens eingeflogen. Dort wachsen sie unter klimatisch günstigen Bedingungen, doch Pestizide im konventionellen Anbau belasten laut BUND die Umwelt und die Beschäftigten in der Blumenindustrie. Zudem haben “Flug-Blumen”, ebenso wie Schnittblumen aus konventionell beheizten Gewächshäusern etwa in den Niederlanden , einen hohen CO2-Fußabdruck.

Was also tun? Sind regionale und “unbeheizte” Blumen im Februar auf der Nordhalbkugel Mangelware – oder?

Es gebt durchaus Möglichkeiten, sagt Elke Markwort, die in der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen ein Blumengeschäft betreibt. Es müsse ja nicht immer eine rote Rose zum Valentinstag sein. “Auch Frühlingsblüher sind schöne Valentinsgrüße. Ich habe zum Beispiel Auflaufformen in Herzform gekauft und da kleine Muskari (Traubenhyazinthen – Anm.d.Red.) reingepflanzt und mit Filzherzen aus Fairtrade-Projekten geschmückt.”

In ihrem Blumengeschäft bietet die Floristin neben konventionell angebauten Blumen auch sogenannte Slowflowers an, die sie in den wärmeren Monaten auf einem eigenen Blumenfeld anbaut.

Für regionale Blumengrüße im Winter ist Kreativität gefragt

Markwort gehört zusammen mit anderen Floristen und Blumengärtnern zu den Fördermitgliedern der deutschen Slowflower-Bewegung. In dem Verein habe sich Menschen zusammengeschlossen, die Blumen selbst anbauen und verkaufen, auch Hobbygärtner und Eventfloristinnen sind dabei. Das Motto: nachhaltige Schnittblumen aus der Region frei von Pestiziden und chemischem Dünger.

Regional und haltbar: Trockenblumen liegen im Trend

“Bei Lebensmitteln achten mittlerweile viele Menschen darauf, wo sie herkommen und wie sie angebaut wurden – bei Blumen ist das leider noch nicht so oft der Fall”, sagt Jane Silburn, Flowerfarmerin und Pressesprecherin der Slowflower-Bewegung.

“Wir nutzen nachhaltig produziertes Saatgut, versuchen, unseren eigenen Kompost aus den Pflanzenresten zu machen und verwenden keinen Steckschaum”, erklärt Silburn. Denn der Schaum, der Blumengestecke zusammenhält und mit Wasser getränkt wird, um sie feucht zu halten, besteht aus aufgeschäumtem Kunststoff. Er ist extrem porös, darum lösen sich beim Bearbeiten und Bewässern jedesmal winzige Teile, die dann als Mikroplastik in der Umwelt landen. 

Auch im Winter könnten viele Blumenarrangements nach den Leitlinien der Slowflower-Bewegung zusammengestellt werden, betont Silburn. Neben vorgezogenen Blüten aus Blumenzwiebeln gebe es mancherorts auch schon die ersten Tulpen, die aus unbeheizten, aber sonnenbeschienenen Gewächshäusern stammten, dazu Zweige von Obstbäumen, die in warmen Wohnungen zu blühen beginnen.

Wo gibt es überall Slowflowers?

“Gerade im Winter entstehen spannende Werkstücke, wenn man etwa mit knorrigen Ästen arbeitet – es gibt es ganz viel Textur, Struktur und vieles, was auch neben der klassischen Blüte wunderschön ist und zum Winter und bald beginnenden Frühling passt.”

Eine weitere Möglichkeit, im Winter für Farbe in der Vase zu sorgen: Sträuße aus Trockenblumen. Die sind laut Jane Silburn derzeit der absolute Renner. Die Blüten werden im Sommer geerntet, schonend getrocknet, um möglichst viel Farbe zu erhalte, und dann für den Winter aufbewahrt – ganz ohne stabilisierende Chemikalien, die bei konventionellen Trockenblumen häufig verwendet werden.

Slowflowers: Klasse statt Masse 

“Tolle Trockenblumen sind zum Beispiel Strohblumen, Strandflieder, Lavendel. Aber auch Hortensien trocknen wunderschön.” Geeignet seien auch Samenstände, etwa von Mohn, ebenso Gräser und Blattpflanzen.

Tatsächlich liegen Trockenblumen derzeit stark im Trend, wie ein Blick auf viele Social-Media-Plattformen beweist. Und auch im Geschäft von Elke Markwort in Münster verkaufen sich die Sträuße gut. “Ich freue mich darüber, dass es wieder eine Nachfrage nach Trockenblumen gibt. Im Winter haben wir wunderschöne Taler vom Silberblatt, also Lunaria, aus eigenem Anbau gehabt, und das kombiniert mit eigenem Eukalyptus und eigenen Zweigen von unserem Feld.”

Christrosen mit Haselnussblüten, Rosmarinzweigen und knorrigen Obstbaumzweigen in einer Vase

In Großbritannien gründete sich die Organisation “Flowers from the Farm” (Blumen vom Bauernhof) bereits vor zehn Jahren und zählt mittlerweile mehr als 1000 Mitglieder. Auch in den USA oder in Italien gibt es Slowflower-Bewegungen. Der Slowflower-Verein im deutschsprachigen Raum zählt derzeit etwas mehr als 200 Mitglieder – in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Mehr als drei Viertel davon arbeiten alleine oder zu zweit, und mehr als die Hälfte übt das Geschäft mit den nachhaltigen Blumen als Nebenerwerb aus. 

Daher lassen sich Slowflowers längst noch nicht in jedem Blumenladen finden. Viele Anbauende verkauften ihre Produkte auch über Online-Shops, so wie Jane Silburn. Man sei sich bewusst, dass auch bei dem Transport der Online-Lieferung Emissionen freigesetzt würden – dennoch: “Wir finden, es ist das kleinere Übel, nachhaltige Blumen zu verschicken, als den Leuten zu sagen: Wenn Du nicht in der Nähe eines Slowflower-Felds wohnst, musst Du eben konventionelle Blumen kaufen.”

Verpackt wird möglichst plastikfrei. Auch genmanipulierte Pflanzen sind bei der Bewegung tabu.

Aber: Slowflower ist nicht gleich Bio. Es gebe zwar auch Bio-Betriebe in der Bewegung, so Silburn. Aber ein Slowflower-Zertifikat, das wie das Bio-Siegel nach einer Kontrolle durch unabhängige Prüfstellen vergeben wird, gebe es nicht. Bei der Einhaltung der Leitlinien setzt der Verein auf Freiwilligkeit.

Im Vergleich zu Blumen, die in Massen in den Supermärkten verkauft werden, sind Slowflowers teurer. Denn es stecke sehr viel Handarbeit darin: vom Anbau, über die Pflege der Blumenfelder, bis zur Ernte, erklärt Silburn. “Eine Blume ist natürlich ein Luxusprodukt – und das darf sie auch sein. Man sollte Blumen wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen und sie nicht als billiges Massenprodukt sehen.” Denn die Folgen davon seien bekannt.

Trotz der höheren Preise sei die Nachfrage nach den regional und nachhaltig angebauten Blumen gut, sagt Blumenladeninhaberin Markwort. Im Geschäft hat sie ihre Slowflowers mit kleinen Zetteln versehen. “Wir weisen immer auf sie hin, weil wir sie selber einfach wirklich toll finden.” Die meisten Menschen, die in ihr Geschäft kämen, ließen sich für die heimischen Blumen begeistern, berichtet sie. “Und die kommen dann oft genau deswegen wieder – wir haben mittlerweile eine richtige kleine Slowflower-Fangemeinde.”

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