Kultur

Bachfest Leipzig: Wer war Bach?

Johann Sebastian Bach wurde von seiner großen Musikerfamilie beeinflusst. Beim Leipziger Bachfest gibt es auch Musik seiner Ahnen und Nachfahren.

Johann Sebastian Bach zählt heute zu den größten klassischen Komponisten aller Zeiten. Als Meister der mehrstimmigen Melodieführung ging der Barockkomponist in die Musikgeschichte ein. „Bach ist heute berühmt dafür, dass er auf dem Klavier und auf der Orgel unglaubliche Wunder vollbracht hat“, sagt Bachfest-Intendant Michael Maul im Gespräch mit der DW. „Er hat in allen Tonarten Fugen und Präludien komponiert, die Generationen von Musikern und Komponisten faszinieren.“

Beim Leipziger Bachfest sind in diesem Jahr zwei seiner großen Hauptwerke für Tasteninstrumente zu hören: „Die Kunst der Fuge“, gespielt von dem russischen Pianisten Daniil Trifonov und das „Wohltemperierte Klavier“, dessen ersten Teil der ungarische Pianist András Schiff interpretiert und dessen 2. Teil die kanadische Pianistin Angela Hewitt spielt. „Das Wohltemperierte Klavier“ ist eins der bekanntesten Lehrwerke von Johann Sebastian Bach und feiert in diesem Jahr 300. Jubiläum.

Johann Sebastian Bach zählt heute zu den größten klassischen Komponisten aller Zeiten. Als Meister der mehrstimmigen Melodieführung ging der Barockkomponist in die Musikgeschichte ein. „Bach ist heute berühmt dafür, dass er auf dem Klavier und auf der Orgel unglaubliche Wunder vollbracht hat“, sagt Bachfest-Intendant Michael Maul im Gespräch mit der DW. „Er hat in allen Tonarten Fugen und Präludien komponiert, die Generationen von Musikern und Komponisten faszinieren.“

Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach im März 1685 geboren und starb in Leipzig 1750. Dort wirkte er bis zu seinem Tod 27 Jahre lang als Thomaskantor und leitete unter anderem den berühmten Thomanerchor, den es bereits seit 1212 gab. Mit seiner über 800-jährigen Chorgeschichte zählt der Chor zu den ältesten Jungenchören Deutschlands. Trotz dieser langen Tradition beginnt die Zählung der Kantoren mit der Nummer eins nach dem Tod von Johann Sebastian Bach.

Das Amt des Thomaskantors

Im vergangenen Herbst hat der Schweizer Dirigent und Kirchenmusiker Andreas Reize als 18. Thomaskantor nach Bach das Amt von seinem Vorgänger Gotthold Schwarz übernommen. Die Thomaner eröffnen traditionell das Bachfest, diesmal am 9. Juni mit Werken von Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Das Bacharchiv Leipzig hat gerade eine neue Gesamtausgabe der Werke von Carl Philipp Emanuel Bach herausgegeben.

Johann Sebastian Bach stammt aus einer weitverzweigten Musikerfamilie. Die Verwandten und Vorfahren waren in Norddeutschland und besonders in den heutigen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt tätig. Einmal im Jahr traf man sich zu musikalischen Familienfesten. „Die Bachfamilie hat sozusagen die Bachfeste erfunden“, sagt Michael Maul.

Das Leipziger Bachfest greift die Idee der großen Musikerfamilie in diesem Jahr unter dem Motto „Bach – We Are Family“ auf, mit Chören aus aller Welt und mit Werken der Ahnen und Nachfolger von Johann Sebastian Bach. 

Johann Sebastian Bachs Vater, Johann Ambrosius Bach, war als Stadtpfeifer, das heißt, als Stadtmusiker angestellt. Sein Cousin, Johann Christoph Bach (1642-1703), spielte als Stadtorganist in Eisenach und soll ein großes Vorbild für Johann Sebastian Bach gewesen sein. Mit zehn Jahren verlor Johann Sebastian Bach seine Eltern und lebte einige Jahre bei seinem älteren Bruder Johann Christoph Bach (1671 bis 1721), der ebenfalls Organist war und ihm das Klavierspiel beibrachte.

Später hat Bach die Kompositionen seiner Vorfahren, und auch die Werke von Komponisten, die ihn geprägt haben, im sogenannten „Alt-Bachischen Archiv“ gesammelt. Allein 53 Familienmitglieder hat Bach gelistet, die meist als Kirchen- oder Hofmusiker tätig waren. In sechs Konzerten zu „Bachs Wurzeln“ werden die Werke seiner Vorfahren und seiner Vorbilder wie Dietrich Buxtehude oder Heinrich Schütz beim Bachfest zu hören sein.

Auch wenn Bach verschiedene Instrumente lernte, so blieb die Orgel sein Hauptinstrument. Mit 18 Jahren erhielt er seine erste Organisten-Stelle in Arnstadt. In Weimar wurde er 1714 zum Konzertmeister ernannt und stieg in Köthen dann zum „Kapellmeister“ von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen auf. Dort komponierte er 1722 auch das berühmte „Klavierbüchlein für Anna Magdalena“, geschrieben für seine zweite Ehefrau, sowie das „Wohltemperierte Klavier“, ein Zyklus von 24 Präludien und Fugen durch alle Dur- und Moll-Tonarten.

Im Mai 1723 trat Johann Sebastian Bach dann sein Amt auf Lebenszeit als Thomaskantor in Leipzig an. Er musste als Lehrer der Thomaner an allen Sonn- und Feiertagen die Messen musikalisch begleiten. Umgerechnet bedeutete das, dass er zumindest im ersten Amtsjahr im Durchschnitt eine Kantate pro Woche komponierte. Was von Johann Sebastian als „Gebrauchsmusik“ gedacht war, wird heute von vielen als „göttliche Musik“ bezeichnet, die weltweit Menschen begeistert. 2023 werden diese Leipziger Kantaten beim Bachfest in einem gesonderten Zyklus gesungen.

In Leipzig komponierte Bach auch sein Weihnachtsoratorium und seine großen Passionen, die Johannespassion und die Matthäuspassion. Während Bachs Klavier- und Orgelwerke von nachfolgenden Generationen weiter gepflegt wurden, gerieten seine Vokalwerke bis ins 19. Jahrhundert öffentlich nahezu in Vergessenheit.

Erst im 19. Jahrhundert entdeckten die Menschen die Vokalmusik von Bach wieder. „Felix Mendelssohn Bartholdy hat im Jahr 1829 in Berlin das erste Mal wieder die große Matthäuspassion von Bach aufgeführt und alle waren total begeistert und fasziniert von dieser komplexen und doch so wirkungsvollen Musik“, erklärt Michael Maul. Mendelssohn Bartholdy passte das Werk dem Geschmack der Zeit an ließ es in einer gekürzten Fassung mit großem Orchester spielen. Unter Thomaskantor Andreas Reize werden die Thomaner die Matthäuspassion am 17. Juni beim Bachfest aufführen. Die DW streamt das Konzert und stellt es als Video-on-Demand auf dem Youtube-Kanal „DW Classic Music“ zur Verfügung.

Im Zuge der Wiederentdeckung von Bachs Musik durch Felix Mendelssohn Bartholdy gründeten sich auch die ersten Bachgesellschaften. Als älteste gilt die „Bach-Gesellschaft zu Leipzig“, zu deren Gründungsmitgliedern die Komponisten Robert Schumann und Franz Liszt zählen.

1900 entstand in Leipzig die „Neue Bachgesellschaft“, die es sich bis heute zur Aufgabe macht, Johann Sebastian Bachs Musik zu fördern und zu verbreiten. Die Gesellschaft betreibt das Bach-Museum in Eisenach und lädt in wechselnden Städten jährlichen zu einem Bach-Festivals ein. In diesem Jahr feiert sie gemeinsam mit dem Leipziger Bachfest die große internationale Bachfamilie.

Wie das Bacharchiv ausfindig gemacht hat, gibt es mittlerweile über 300 Bachgesellschaften in Deutschland und der ganzen Welt. Zu den jüngsten zählt etwa die 2008 gegründete „Sociedad de Bach“ in Paraguay oder die „Soft Bach Society Yamaguchi“ aus Japan von 2013. In Malaysia feiert der Dirigent und Gründer David Chin seit 2015 jedes Jahr sein eigenes Bachfest. Für Bachfestintendant Michael Maul ein Beweis dafür, dass Bachs Musik bis heute weltweit begeistert. „Wir entdecken immer mehr Geheimnisse, weil diese Musik so viele Fassetten hat. Man kann sie immer wieder hören und erforschen und wird immer wieder auf neue Schönheiten und Besonderheiten stoßen“.

Andreas Reize vor dem Thomanerchor.
Alte Zeichnung des Stammbaums der Familie Bach.

Johann Sebastian Bach zählt heute zu den größten klassischen Komponisten aller Zeiten. Als Meister der mehrstimmigen Melodieführung ging der Barockkomponist in die Musikgeschichte ein. „Bach ist heute berühmt dafür, dass er auf dem Klavier und auf der Orgel unglaubliche Wunder vollbracht hat“, sagt Bachfest-Intendant Michael Maul im Gespräch mit der DW. „Er hat in allen Tonarten Fugen und Präludien komponiert, die Generationen von Musikern und Komponisten faszinieren.“

Beim Leipziger Bachfest sind in diesem Jahr zwei seiner großen Hauptwerke für Tasteninstrumente zu hören: „Die Kunst der Fuge“, gespielt von dem russischen Pianisten Daniil Trifonov und das „Wohltemperierte Klavier“, dessen ersten Teil der ungarische Pianist András Schiff interpretiert und dessen 2. Teil die kanadische Pianistin Angela Hewitt spielt. „Das Wohltemperierte Klavier“ ist eins der bekanntesten Lehrwerke von Johann Sebastian Bach und feiert in diesem Jahr 300. Jubiläum.

Das Amt des Thomaskantors

Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach im März 1685 geboren und starb in Leipzig 1750. Dort wirkte er bis zu seinem Tod 27 Jahre lang als Thomaskantor und leitete unter anderem den berühmten Thomanerchor, den es bereits seit 1212 gab. Mit seiner über 800-jährigen Chorgeschichte zählt der Chor zu den ältesten Jungenchören Deutschlands. Trotz dieser langen Tradition beginnt die Zählung der Kantoren mit der Nummer eins nach dem Tod von Johann Sebastian Bach.

Im vergangenen Herbst hat der Schweizer Dirigent und Kirchenmusiker Andreas Reize als 18. Thomaskantor nach Bach das Amt von seinem Vorgänger Gotthold Schwarz übernommen. Die Thomaner eröffnen traditionell das Bachfest, diesmal am 9. Juni mit Werken von Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Das Bacharchiv Leipzig hat gerade eine neue Gesamtausgabe der Werke von Carl Philipp Emanuel Bach herausgegeben.

Johann Sebastian Bach stammt aus einer weitverzweigten Musikerfamilie. Die Verwandten und Vorfahren waren in Norddeutschland und besonders in den heutigen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt tätig. Einmal im Jahr traf man sich zu musikalischen Familienfesten. „Die Bachfamilie hat sozusagen die Bachfeste erfunden“, sagt Michael Maul.

Das Leipziger Bachfest greift die Idee der großen Musikerfamilie in diesem Jahr unter dem Motto „Bach – We Are Family“ auf, mit Chören aus aller Welt und mit Werken der Ahnen und Nachfolger von Johann Sebastian Bach. 

Die ersten Bachfeste feierte die Bachfamilie

Johann Sebastian Bachs Vater, Johann Ambrosius Bach, war als Stadtpfeifer, das heißt, als Stadtmusiker angestellt. Sein Cousin, Johann Christoph Bach (1642-1703), spielte als Stadtorganist in Eisenach und soll ein großes Vorbild für Johann Sebastian Bach gewesen sein. Mit zehn Jahren verlor Johann Sebastian Bach seine Eltern und lebte einige Jahre bei seinem älteren Bruder Johann Christoph Bach (1671 bis 1721), der ebenfalls Organist war und ihm das Klavierspiel beibrachte.

Die Stadtpfeifer und Organisten

Später hat Bach die Kompositionen seiner Vorfahren, und auch die Werke von Komponisten, die ihn geprägt haben, im sogenannten „Alt-Bachischen Archiv“ gesammelt. Allein 53 Familienmitglieder hat Bach gelistet, die meist als Kirchen- oder Hofmusiker tätig waren. In sechs Konzerten zu „Bachs Wurzeln“ werden die Werke seiner Vorfahren und seiner Vorbilder wie Dietrich Buxtehude oder Heinrich Schütz beim Bachfest zu hören sein.

Auch wenn Bach verschiedene Instrumente lernte, so blieb die Orgel sein Hauptinstrument. Mit 18 Jahren erhielt er seine erste Organisten-Stelle in Arnstadt. In Weimar wurde er 1714 zum Konzertmeister ernannt und stieg in Köthen dann zum „Kapellmeister“ von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen auf. Dort komponierte er 1722 auch das berühmte „Klavierbüchlein für Anna Magdalena“, geschrieben für seine zweite Ehefrau, sowie das „Wohltemperierte Klavier“, ein Zyklus von 24 Präludien und Fugen durch alle Dur- und Moll-Tonarten.

Im Mai 1723 trat Johann Sebastian Bach dann sein Amt auf Lebenszeit als Thomaskantor in Leipzig an. Er musste als Lehrer der Thomaner an allen Sonn- und Feiertagen die Messen musikalisch begleiten. Umgerechnet bedeutete das, dass er zumindest im ersten Amtsjahr im Durchschnitt eine Kantate pro Woche komponierte. Was von Johann Sebastian als „Gebrauchsmusik“ gedacht war, wird heute von vielen als „göttliche Musik“ bezeichnet, die weltweit Menschen begeistert. 2023 werden diese Leipziger Kantaten beim Bachfest in einem gesonderten Zyklus gesungen.

Bachs Aufstieg zum Thomaskantor

In Leipzig komponierte Bach auch sein Weihnachtsoratorium und seine großen Passionen, die Johannespassion und die Matthäuspassion. Während Bachs Klavier- und Orgelwerke von nachfolgenden Generationen weiter gepflegt wurden, gerieten seine Vokalwerke bis ins 19. Jahrhundert öffentlich nahezu in Vergessenheit.

Erst im 19. Jahrhundert entdeckten die Menschen die Vokalmusik von Bach wieder. „Felix Mendelssohn Bartholdy hat im Jahr 1829 in Berlin das erste Mal wieder die große Matthäuspassion von Bach aufgeführt und alle waren total begeistert und fasziniert von dieser komplexen und doch so wirkungsvollen Musik“, erklärt Michael Maul. Mendelssohn Bartholdy passte das Werk dem Geschmack der Zeit an ließ es in einer gekürzten Fassung mit großem Orchester spielen. Unter Thomaskantor Andreas Reize werden die Thomaner die Matthäuspassion am 17. Juni beim Bachfest aufführen. Die DW streamt das Konzert und stellt es als Video-on-Demand auf dem Youtube-Kanal „DW Classic Music“ zur Verfügung.

Bachrenaissance im 19. Jahrhundert

Im Zuge der Wiederentdeckung von Bachs Musik durch Felix Mendelssohn Bartholdy gründeten sich auch die ersten Bachgesellschaften. Als älteste gilt die „Bach-Gesellschaft zu Leipzig“, zu deren Gründungsmitgliedern die Komponisten Robert Schumann und Franz Liszt zählen.

Bachgesellschaften weltweit

1900 entstand in Leipzig die „Neue Bachgesellschaft“, die es sich bis heute zur Aufgabe macht, Johann Sebastian Bachs Musik zu fördern und zu verbreiten. Die Gesellschaft betreibt das Bach-Museum in Eisenach und lädt in wechselnden Städten jährlichen zu einem Bach-Festivals ein. In diesem Jahr feiert sie gemeinsam mit dem Leipziger Bachfest die große internationale Bachfamilie.

Cover Programmbuch Bachfest: Bach - We Are Family

Wie das Bacharchiv ausfindig gemacht hat, gibt es mittlerweile über 300 Bachgesellschaften in Deutschland und der ganzen Welt. Zu den jüngsten zählt etwa die 2008 gegründete „Sociedad de Bach“ in Paraguay oder die „Soft Bach Society Yamaguchi“ aus Japan von 2013. In Malaysia feiert der Dirigent und Gründer David Chin seit 2015 jedes Jahr sein eigenes Bachfest. Für Bachfestintendant Michael Maul ein Beweis dafür, dass Bachs Musik bis heute weltweit begeistert. „Wir entdecken immer mehr Geheimnisse, weil diese Musik so viele Fassetten hat. Man kann sie immer wieder hören und erforschen und wird immer wieder auf neue Schönheiten und Besonderheiten stoßen“.

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