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Ukraine aktuell: Russlands Krieg treibt fünf Millionen in die Flucht

Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verlassen immer mehr Menschen das Land. Moskau kündigt dessen ungeachtet weitere Angriffe an. Ein Überblick.

Das Wichtigste in Kürze:

 

Das Wichtigste in Kürze:

Die Zahl der wegen des russischen Angriffskriegs aus der Ukraine geflohenen Menschen geht immer weiter nach oben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) teilte mit, laut den jüngsten Datenerhebungen hätten exakt 4.796.245 Millionen Ukrainer ihr Land verlassen. Hinzu kommen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) fast 215.000 Staatsangehörige anderer Länder, die in der Ukraine lebten und inzwischen ebenfalls aus dem Land geflohen sind. 

Größte Flüchtlingsbewegung seit 1945

Es handelt sich um die größte Flüchtlingsbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei 90 Prozent der ins Ausland Flüchtenden handelt es sich um Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren die Ukraine derzeit nicht verlassen dürfen. Der Großteil der Flüchtlinge – 2,7 Millionen – ging nach Polen. Innerhalb der Ukraine sind nach IOM-Schätzungen zudem weitere 7,1 Millionen Menschen auf der Flucht. Vor dem russischen Einmarsch lebten in der Ukraine 37 Millionen Menschen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten – die von Russland annektierte Halbinsel Krim und die prorussischen Separatistengebiete in der Ostukraine nicht mitgerechnet. 

Russland kündigte unterdessen weitere Angriffe an. Nachdem man in der Nacht ein militärisches Ziel am Stadtrand von Kiew mit Marschflugkörpern attackiert habe, würden weitere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt folgen, hieß es aus dem Moskauer Verteidigungsministerium. 

In Kiew waren an diesem Freitag so starke Explosionen zu hören, wie kaum seit dem jüngsten Rückzug russischer Truppen aus der ukrainischen Hauptstadt. Russlands Armee hat eigenen Angaben zufolge eine Raketenfabrik unweit von Kiew angegriffen. Auf die Fabrik “Wisar”, knapp fünf Kilometer südwestlich des Stadtrands, seien in der Nacht zum Freitag Raketen des Typs Kalibr abgefeuert worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Die Fabrik “Wisar” soll Raketen für das Flugabwehrsystem S-300 hergestellt haben. 

Die russische Marine bombardiert weiterhin die ukrainischen Städte am Schwarzen Meer. Auch andere Landesteile stehen unter Beschuss. Aus dem südlichen Cherson, Charkiw im Osten und Iwano-Frankiwsk im Westen wurden ebenfalls gewaltige nächtliche Explosionen gemeldet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Landsleuten für 50 Tage Widerstand gegen Russland gedankt. “Gott sei Dank, den Streitkräften der Ukraine und unserem Volk – wir haben den größten Teil unseres Landes verteidigt”, sagte Selenskyj anlässlich des 50. Tages seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. “50 Tage unserer Verteidigung sind eine Leistung. Eine Leistung von Millionen von Ukrainern”, so Selenskyj in einem Internetvideo von Donnerstagabend.

Er erinnere sich an den ersten Tag der russischen Invasion in die Ukraine. “Um es milde auszudrücken: Niemand war überzeugt, dass wir bestehen würden.” Viele hätten ihm geraten, das Land zu verlassen. “Sie haben dazu geraten, dass wir uns de facto der Tyrannei ergeben.” Sie hätten aber die Ukrainer nicht gekannt und nicht gewusst, wie mutig diese seien und wie sehr sie Freiheit schätzten, “so zu leben, wie wir wollen”.

Selenskyj dankte zudem allen Unterstützern der Ukraine. Er habe in den 50 Tagen viele politische Führer auf eine andere Art gesehen. Er habe “große Großzügigkeit” bei denen gesehen, die nicht reich seien oder Entschlossenheit bei jenen, die von anderen nicht ernst genommen worden seien. Er habe aber auch Politiker gesehen, die sich so verhielten, als hätten sie keine Macht.

Am frühen Morgen meldete sich Selenskyj erneut zu Wort. Diesmal spielte der ukrainische Präsident auf das gesunkene russische Kriegsschiff “Moskwa” an. Er pries all jene, die gezeigt hätten, dass russische Schiffe “auf den Grund gehen können”. Nach Angaben der Ukraine wurde der russische Raketenkreuzer von zwei ukrainischen Neptun-Raketen getroffen. Das russische Verteidigungsministerium hatte den Untergang des Flaggschiffes der Schwarzmeerflotte am Abend bestätigt. Es sei in einem Sturm gesunken, während es zu einem Hafen geschleppt wurde. Die “Moskwa” sei nach einem Brand und der Explosion von Munition an Bord schwer beschädigt gewesen.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, sagte, der Untergang der “Moskwa” werde “Konsequenzen” für die Einsatzfähigkeit der russischen Marine in der Region haben. Der mit Raketen ausgerüstete Kreuzer habe eine “Schlüsselrolle” in den Bemühungen Russlands gespielt, eine “Dominanz seiner Marine im Schwarzen Meer” herzustellen, sagte Kirby dem US-Sender CNN.

Deutschlands Vizekanzler Robert Habeck dringt auf eine Ausweitung der Waffenlieferungen in die Ukraine. “Es müssen mehr Waffen kommen”, sagt der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Wir können die Ukraine in dem Krieg nicht alleine lassen. Sie kämpft auch für uns.” Die Ukraine dürfe nicht verlieren, Putin nicht gewinnen.

Gleichzeitig habe die Bundesregierung die Verantwortung dafür, dass Deutschland nicht selbst zum Angriffsziel werde. Große Panzer oder Kampfflugzeuge seien bisher nicht Teil des gesetzten Rahmens für Waffenlieferungen. Eine Brutalisierung des Krieges bedeute jedoch auch, dass man in Quantität und Qualität der Waffenlieferungen zulegen müsse.

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

haz/qu/AR/cw (rtr, afp, dpa)

Ukraine-Krieg | Ukrainische Soldaten stehen in Termakhivka neben einem Panzer
Ukraine Krieg | Makariw

Das Wichtigste in Kürze:

 

Größte Flüchtlingsbewegung seit 1945

Die Zahl der wegen des russischen Angriffskriegs aus der Ukraine geflohenen Menschen geht immer weiter nach oben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) teilte mit, laut den jüngsten Datenerhebungen hätten exakt 4.796.245 Millionen Ukrainer ihr Land verlassen. Hinzu kommen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) fast 215.000 Staatsangehörige anderer Länder, die in der Ukraine lebten und inzwischen ebenfalls aus dem Land geflohen sind. 

Es handelt sich um die größte Flüchtlingsbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei 90 Prozent der ins Ausland Flüchtenden handelt es sich um Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren die Ukraine derzeit nicht verlassen dürfen. Der Großteil der Flüchtlinge – 2,7 Millionen – ging nach Polen. Innerhalb der Ukraine sind nach IOM-Schätzungen zudem weitere 7,1 Millionen Menschen auf der Flucht. Vor dem russischen Einmarsch lebten in der Ukraine 37 Millionen Menschen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten – die von Russland annektierte Halbinsel Krim und die prorussischen Separatistengebiete in der Ostukraine nicht mitgerechnet. 

Russland kündigte unterdessen weitere Angriffe an. Nachdem man in der Nacht ein militärisches Ziel am Stadtrand von Kiew mit Marschflugkörpern attackiert habe, würden weitere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt folgen, hieß es aus dem Moskauer Verteidigungsministerium. 

In Kiew waren an diesem Freitag so starke Explosionen zu hören, wie kaum seit dem jüngsten Rückzug russischer Truppen aus der ukrainischen Hauptstadt. Russlands Armee hat eigenen Angaben zufolge eine Raketenfabrik unweit von Kiew angegriffen. Auf die Fabrik “Wisar”, knapp fünf Kilometer südwestlich des Stadtrands, seien in der Nacht zum Freitag Raketen des Typs Kalibr abgefeuert worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Die Fabrik “Wisar” soll Raketen für das Flugabwehrsystem S-300 hergestellt haben. 

Russland droht mit weiterem Beschuss

Die russische Marine bombardiert weiterhin die ukrainischen Städte am Schwarzen Meer. Auch andere Landesteile stehen unter Beschuss. Aus dem südlichen Cherson, Charkiw im Osten und Iwano-Frankiwsk im Westen wurden ebenfalls gewaltige nächtliche Explosionen gemeldet.

Selenskyj dankt allen Unterstützern der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Landsleuten für 50 Tage Widerstand gegen Russland gedankt. “Gott sei Dank, den Streitkräften der Ukraine und unserem Volk – wir haben den größten Teil unseres Landes verteidigt”, sagte Selenskyj anlässlich des 50. Tages seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. “50 Tage unserer Verteidigung sind eine Leistung. Eine Leistung von Millionen von Ukrainern”, so Selenskyj in einem Internetvideo von Donnerstagabend.

Er erinnere sich an den ersten Tag der russischen Invasion in die Ukraine. “Um es milde auszudrücken: Niemand war überzeugt, dass wir bestehen würden.” Viele hätten ihm geraten, das Land zu verlassen. “Sie haben dazu geraten, dass wir uns de facto der Tyrannei ergeben.” Sie hätten aber die Ukrainer nicht gekannt und nicht gewusst, wie mutig diese seien und wie sehr sie Freiheit schätzten, “so zu leben, wie wir wollen”.

Selenskyj dankte zudem allen Unterstützern der Ukraine. Er habe in den 50 Tagen viele politische Führer auf eine andere Art gesehen. Er habe “große Großzügigkeit” bei denen gesehen, die nicht reich seien oder Entschlossenheit bei jenen, die von anderen nicht ernst genommen worden seien. Er habe aber auch Politiker gesehen, die sich so verhielten, als hätten sie keine Macht.

Reaktionen auf Untergang der “Moskwa”

Am frühen Morgen meldete sich Selenskyj erneut zu Wort. Diesmal spielte der ukrainische Präsident auf das gesunkene russische Kriegsschiff “Moskwa” an. Er pries all jene, die gezeigt hätten, dass russische Schiffe “auf den Grund gehen können”. Nach Angaben der Ukraine wurde der russische Raketenkreuzer von zwei ukrainischen Neptun-Raketen getroffen. Das russische Verteidigungsministerium hatte den Untergang des Flaggschiffes der Schwarzmeerflotte am Abend bestätigt. Es sei in einem Sturm gesunken, während es zu einem Hafen geschleppt wurde. Die “Moskwa” sei nach einem Brand und der Explosion von Munition an Bord schwer beschädigt gewesen.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, sagte, der Untergang der “Moskwa” werde “Konsequenzen” für die Einsatzfähigkeit der russischen Marine in der Region haben. Der mit Raketen ausgerüstete Kreuzer habe eine “Schlüsselrolle” in den Bemühungen Russlands gespielt, eine “Dominanz seiner Marine im Schwarzen Meer” herzustellen, sagte Kirby dem US-Sender CNN.

Habeck für mehr Waffenlieferungen

Deutschlands Vizekanzler Robert Habeck dringt auf eine Ausweitung der Waffenlieferungen in die Ukraine. “Es müssen mehr Waffen kommen”, sagt der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Wir können die Ukraine in dem Krieg nicht alleine lassen. Sie kämpft auch für uns.” Die Ukraine dürfe nicht verlieren, Putin nicht gewinnen.

Gleichzeitig habe die Bundesregierung die Verantwortung dafür, dass Deutschland nicht selbst zum Angriffsziel werde. Große Panzer oder Kampfflugzeuge seien bisher nicht Teil des gesetzten Rahmens für Waffenlieferungen. Eine Brutalisierung des Krieges bedeute jedoch auch, dass man in Quantität und Qualität der Waffenlieferungen zulegen müsse.

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

haz/qu/AR/cw (rtr, afp, dpa)

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