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Ukraine aktuell: “Glaube nicht, dass Putin blufft”

Der ukrainische Staatschef Selenskyj hält einen Einsatz von Atomwaffen durch Russland durchaus für möglich. Ein Brite berichtet von Folter in russischer Kriegsgefangenschaft. Aktuelle Nachrichten im Überblick.

 

Das Wichtigste in Kürze:

 

 

Selenskyj: Teilmobilmachung bedroht ethnische Minderheiten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deutlich gemacht, dass er die Atomdrohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst nimmt. “Vielleicht war es gestern ein Bluff. Jetzt könnte es Realität sein”, sagte Selenskyj dem US-Sender CBS News. Selenskyj verwies auf die Gefechte um das von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja und sagte: “Er (Putin) will die ganze Welt erschrecken. Dies sind die ersten Schritte seiner nuklearen Erpressung. Ich glaube nicht, dass er blufft.”

Putin hatte am Mittwoch die Mobilisierung von 300.000 Reservisten für den Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt – er sagte dabei auch: “Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht wird, werden wir zum Schutz Russlands und unseres Volkes unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Das ist kein Bluff.” Beobachter sahen darin eine Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen.

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, erklärte, die Regierung in Washington habe dem Kreml “direkt, privat, auf sehr hoher Ebene” mitgeteilt, dass jeder Einsatz von Atomwaffen “katastrophale Konsequenzen” für Russland haben würde. Einzelheiten nannte er nicht.

Die von Kremlchef Wladimir Putin in Russland angeordnete Teilmobilmachung trifft laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ethnische Minderheiten besonders hart. “Wir sehen, dass Menschen, besonders in Dagestan, angefangen haben, um ihr Leben zu kämpfen”, sagte Selenskyj in einer neuen Videoansprache. Er bezog sich dabei auf heftige Proteste, die Stunden zuvor in der muslimisch geprägten russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus ausgebrochen waren. In einem Dorf, aus dem 110 Männer für den Krieg gegen die Ukraine eingezogen werden sollten, gingen Polizisten dabei am Sonntag sogar mit Warnschüssen gegen Demonstranten vor.

“Ich betone einmal mehr: Es gibt keinen Ausweg”, sagte Selenskyj. “Flieht. Oder begebt euch bei der ersten Gelegenheit in ukrainische Gefangenschaft.”

Die Ukraine hat nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj von den USA fortschrittliche Flugabwehrsysteme erhalten. Damit bestätigte der Staatschef erstmals, dass das “National Advanced Surface-to-Air Missile System” (NASAMS) die Ukraine erreicht hat. Die Regierung in Washington hatte dessen Lieferung im vergangenen Monat genehmigt.

Das Ukraine-Nachbarland Slowakei hat die generelle Aufnahme russischer Kriegsdienstverweigerer abgelehnt. “Die Slowakei beurteilt jeden Einzelfall individuell”, erklärte Außenamtssprecher Juraj Tomaga. Die Slowakei vergebe zwar grundsätzlich Visa aus humanitären Gründen, es gebe aber keine eindeutige Regel, nach der auch Kriegsdienstverweigerung als Grund dafür ausreiche. Der EU- und NATO-Staat Slowakei nimmt mit dieser Visa-Regelung eine ähnliche Position ein wie die baltischen Staaten, Tschechien und Polen.

In Tschechien ging Präsident Milos Zeman jedoch auf Distanz zur Position der eigenen Regierung. “Ein Mensch, der aus Russland flieht, ist kein Sicherheitsrisiko für uns”, sagte er in einem TV-Interview. Russen, die nicht im Ukraine-Krieg kämpfen wollten, sollten genauso aufgenommen werden wie Flüchtlinge aus der Ukraine, forderte Zeman. Zuvor hatte der tschechische Außenminister Jan Lipavsky erklärt: “Diejenigen, die aus ihrem Land flüchten, weil sie den Pflichten gegenüber ihrem eigenen Staat nicht nachkommen wollen, erfüllen damit nicht die Bedingungen für die Erteilung eines humanitären Visums.”

Ein durch einen Gefangenenaustausch im Ukraine-Krieg freigekommener Brite hat in einem Interview von Folter in russischer Gefangenschaft berichtet. Er sei während Verhören wiederholt geschlagen und gezwungen worden, die russische Nationalhymne zu singen, sagte Aiden Aslin der britischen Zeitung “The Sun”. Auch sei er in einer Einzelzelle mit Läusen, Kakerlaken und ohne Tageslicht eingesperrt gewesen und “schlimmer als ein Hund behandelt” worden. Aslin ist einer von fünf Briten, die am Mittwoch aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Riad in Saudi-Arabien ausgeflogen wurden.

Der 28-Jährige aus dem zentralenglischen Nottinghamshire lebte zu Beginn des Krieges in der Ukraine und diente im dortigen Militär. Er wurde bei Kämpfen um Kiew gefangen genommen und im Juni von prorussischen Separatisten in Donezk als Söldner zum Tode verurteilt.

Zahlreiche orthodoxe Juden haben sich ungeachtet des russischen Angriffskriegs für eine jährliche Pilgerfahrt in der ukrainischen Stadt Uman versammelt. Die Polizei wollte aus Sicherheitsgründen keine genauen Pilgerzahlen veröffentlichen. Die “United Jewish Community of Ukraine” erklärte jedoch, dass 23.000 Pilger gekommen seien. Die Gläubigen wollten in Uman das Neujahrsfest Rosch Haschana feiern.

Jedes Jahr kommen chassidische Juden aus der ganzen Welt am jüdischen Neujahrsfest in die Stadt, um das Grab von Rabbi Nachman zu besuchen, dem Gründer der ultraorthodoxen Strömung. Die zentralukrainische Stadt ist zwar relativ weit von der Front entfernt. Doch sowohl ukrainische als auch israelische Behörden hatten die Gläubigen gedrängt, die Feierlichkeiten vom 25. bis 27. September in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

wa/ack (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland Wladimir Putin hält Rede an die Nation
Raketenabwehrsystem NASAMS
Ukraine, Donezk | Aiden Aslin in russischer Kriegsgefangenschaft

 

Das Wichtigste in Kürze:

Selenskyj: Teilmobilmachung bedroht ethnische Minderheiten

 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deutlich gemacht, dass er die Atomdrohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst nimmt. “Vielleicht war es gestern ein Bluff. Jetzt könnte es Realität sein”, sagte Selenskyj dem US-Sender CBS News. Selenskyj verwies auf die Gefechte um das von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja und sagte: “Er (Putin) will die ganze Welt erschrecken. Dies sind die ersten Schritte seiner nuklearen Erpressung. Ich glaube nicht, dass er blufft.”

Putin hatte am Mittwoch die Mobilisierung von 300.000 Reservisten für den Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt – er sagte dabei auch: “Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht wird, werden wir zum Schutz Russlands und unseres Volkes unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Das ist kein Bluff.” Beobachter sahen darin eine Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen.

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, erklärte, die Regierung in Washington habe dem Kreml “direkt, privat, auf sehr hoher Ebene” mitgeteilt, dass jeder Einsatz von Atomwaffen “katastrophale Konsequenzen” für Russland haben würde. Einzelheiten nannte er nicht.

Ukraine bestätigt Erhalt von Flugabwehr NASAMS

Die von Kremlchef Wladimir Putin in Russland angeordnete Teilmobilmachung trifft laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ethnische Minderheiten besonders hart. “Wir sehen, dass Menschen, besonders in Dagestan, angefangen haben, um ihr Leben zu kämpfen”, sagte Selenskyj in einer neuen Videoansprache. Er bezog sich dabei auf heftige Proteste, die Stunden zuvor in der muslimisch geprägten russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus ausgebrochen waren. In einem Dorf, aus dem 110 Männer für den Krieg gegen die Ukraine eingezogen werden sollten, gingen Polizisten dabei am Sonntag sogar mit Warnschüssen gegen Demonstranten vor.

Aufnahme russischer Kriegsdienstverweigerer umstritten

“Ich betone einmal mehr: Es gibt keinen Ausweg”, sagte Selenskyj. “Flieht. Oder begebt euch bei der ersten Gelegenheit in ukrainische Gefangenschaft.”

Die Ukraine hat nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj von den USA fortschrittliche Flugabwehrsysteme erhalten. Damit bestätigte der Staatschef erstmals, dass das “National Advanced Surface-to-Air Missile System” (NASAMS) die Ukraine erreicht hat. Die Regierung in Washington hatte dessen Lieferung im vergangenen Monat genehmigt.

Das Ukraine-Nachbarland Slowakei hat die generelle Aufnahme russischer Kriegsdienstverweigerer abgelehnt. “Die Slowakei beurteilt jeden Einzelfall individuell”, erklärte Außenamtssprecher Juraj Tomaga. Die Slowakei vergebe zwar grundsätzlich Visa aus humanitären Gründen, es gebe aber keine eindeutige Regel, nach der auch Kriegsdienstverweigerung als Grund dafür ausreiche. Der EU- und NATO-Staat Slowakei nimmt mit dieser Visa-Regelung eine ähnliche Position ein wie die baltischen Staaten, Tschechien und Polen.

Brite berichtet über Folter in Kriegsgefangenschaft

In Tschechien ging Präsident Milos Zeman jedoch auf Distanz zur Position der eigenen Regierung. “Ein Mensch, der aus Russland flieht, ist kein Sicherheitsrisiko für uns”, sagte er in einem TV-Interview. Russen, die nicht im Ukraine-Krieg kämpfen wollten, sollten genauso aufgenommen werden wie Flüchtlinge aus der Ukraine, forderte Zeman. Zuvor hatte der tschechische Außenminister Jan Lipavsky erklärt: “Diejenigen, die aus ihrem Land flüchten, weil sie den Pflichten gegenüber ihrem eigenen Staat nicht nachkommen wollen, erfüllen damit nicht die Bedingungen für die Erteilung eines humanitären Visums.”

Ein durch einen Gefangenenaustausch im Ukraine-Krieg freigekommener Brite hat in einem Interview von Folter in russischer Gefangenschaft berichtet. Er sei während Verhören wiederholt geschlagen und gezwungen worden, die russische Nationalhymne zu singen, sagte Aiden Aslin der britischen Zeitung “The Sun”. Auch sei er in einer Einzelzelle mit Läusen, Kakerlaken und ohne Tageslicht eingesperrt gewesen und “schlimmer als ein Hund behandelt” worden. Aslin ist einer von fünf Briten, die am Mittwoch aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Riad in Saudi-Arabien ausgeflogen wurden.

Tausende Juden pilgern trotz Krieg in die Ukraine

Der 28-Jährige aus dem zentralenglischen Nottinghamshire lebte zu Beginn des Krieges in der Ukraine und diente im dortigen Militär. Er wurde bei Kämpfen um Kiew gefangen genommen und im Juni von prorussischen Separatisten in Donezk als Söldner zum Tode verurteilt.

Zahlreiche orthodoxe Juden haben sich ungeachtet des russischen Angriffskriegs für eine jährliche Pilgerfahrt in der ukrainischen Stadt Uman versammelt. Die Polizei wollte aus Sicherheitsgründen keine genauen Pilgerzahlen veröffentlichen. Die “United Jewish Community of Ukraine” erklärte jedoch, dass 23.000 Pilger gekommen seien. Die Gläubigen wollten in Uman das Neujahrsfest Rosch Haschana feiern.

Ukraine | Orthodoxe Juden pilgern nach Uman

Jedes Jahr kommen chassidische Juden aus der ganzen Welt am jüdischen Neujahrsfest in die Stadt, um das Grab von Rabbi Nachman zu besuchen, dem Gründer der ultraorthodoxen Strömung. Die zentralukrainische Stadt ist zwar relativ weit von der Front entfernt. Doch sowohl ukrainische als auch israelische Behörden hatten die Gläubigen gedrängt, die Feierlichkeiten vom 25. bis 27. September in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

wa/ack (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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