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Berlin: Wenn die Synagoge zu klein wird

Die Präsenz jüdischen Lebens in der deutschen Hauptstadt wächst. Und in zunehmendem Maße gehören auch wieder größere Bauten ins Stadtbild.

“Unsere Synagoge ist mit 250 Plätzen viel zu klein. An unseren hohen Feiertagen 2022 hatten wir knapp 700 Menschen, an Jom Kippur 900 Menschen hier.” Rabbiner Yehuda Teichtal will im Westen von Berlin seine erst 2007 eingeweihte Synagoge deutlich vergrößern. “Dass die Synagoge dermaßen erweitert werden muss, ist ein Zeichen von Vertrauen”, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Die 2007 in Anwesenheit des damaligen SPD-Außenministers und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eröffnete Synagoge an der Münsterschen Straße war damals der erste Neubau eines jüdischen Gotteshauses in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Nun plant Teichtal den bislang größten Synagogenbau in ganz Deutschland seit dem Krieg. 

“Unsere Synagoge ist mit 250 Plätzen viel zu klein. An unseren hohen Feiertagen 2022 hatten wir knapp 700 Menschen, an Jom Kippur 900 Menschen hier.” Rabbiner Yehuda Teichtal will im Westen von Berlin seine erst 2007 eingeweihte Synagoge deutlich vergrößern. “Dass die Synagoge dermaßen erweitert werden muss, ist ein Zeichen von Vertrauen”, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Der 50-jährige gebürtige New Yorker Teichtal, der seit gut 26 Jahren in Berlin lebt und seit 2012 auch Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist, gehört zur jüdischen Bewegung Chabad Lubawitsch. Sie ist nach Auskunft von Teichtal nicht einfach eine orthodoxe Gruppierung im Judentum. “Wir sind orthodox und offen”, betont er und erläutert: “Wir respektieren alle Menschen, egal, ob sie jüdisch oder nichtjüdisch, heterosexuell oder homosexuell sind oder aus welcher Kultur sie kommen.”

“Orthodox und offen”

Rund um ihre Synagoge ist seit 2007 ein jüdisches Bildungszentrum entstanden. Einige Schritte weiter laufen die letzten Arbeiten am “Pears Jüdischer Campus”, der im Juli eingeweiht werden soll und die “Jüdische Traditionsschule” und den Kindergarten aufnehmen soll, der derzeit noch in Containern untergebracht ist. 

Schon seit vielen Jahren wächst die Präsenz jüdischen Lebens in Berlin. Vor 30 Jahren kamen Juden aus der damaligen Sowjetunion, während der vergangenen zwölf Monate jüdische Geflüchtete aus der Ukraine. Aber auch junge Israelis, deren Vorfahren Berliner waren, vor den Nazis flohen oder Angehörige im Massenmord der Nationalsozialisten verloren, leben heute in der deutschen Hauptstadt. Teichtal spricht von “wachsendem jüdischen Leben in Berlin” und wachsendem Interesse an den Angeboten seiner Gemeinde. Er schätzt die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt auf rund 50.000.

Damit steht Berlin vor zwei großen Synagogen-Bauprojekten. In Kreuzberg soll die bei den Novemberpogromen 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge am Fraenkelufer während der nächsten Jahre komplett wiederaufgebaut werden, in Wilmersdorf steht die Erweiterung der Synagoge an. Teichtal sieht beides als “Zeichen des Aufblühens, der Vielfalt, der Lebendigkeit und ein Zeichen des Vertrauen. Jüdisches Leben ist: hier zu bleiben mit einem positiven, lebendigen Miteinander.” Zugleich soll der Raum, der bislang nach Osten ausgerichtet ist, künftig seine Achse gen Jerusalem haben.

Für die Synagogen-Erweiterung ist, wie schon für den Jüdischen Campus, das Berliner Büro von Tchoban Voss Architekten zuständig. Für den Synagogenbau rechnet Teichtal mit Kosten von 20 Millionen Euro, für die er auch auf öffentliche Unterstützung und Spenden setzt. “Die Spenden sind, ob groß oder klein, extrem wichtig. Wir können das alleine nicht schaffen und brauchen die Hilfe von allen.” Die Baukosten für den Jüdischen Campus sind, auch wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie, derweil auf 25 Millionen Euro gestiegen.

Die Chabad-Bewegung unterhält vergleichbare Zentren in Städten weltweit. Ihre Synagoge in Berlin erreicht man – wie viele jüdische Einrichtungen in der Stadt angesichts regelmäßiger antisemitischer Vorfälle und Bedrohungen – durch eine Sicherheitsschleuse. Und doch setzt die Bewegung auf Offenheit des Projekts. “Es kann nicht sein, dass jüdisches Leben hinter geschlossenen Kulissen geführt werden soll und Menschen sich nicht trauen, sie zu besuchen”, sagt Teichtal.

Seine Einrichtung sei Ziel für Besucher aus ganz Deutschland, aber auch für internationale Gäste. Er erwähnt das geplante Restaurant und Bistro, das (schon bestehende) koschere Sushi-Angebot, geplante Lesungen und Filmvorführungen. “Das ist jüdisches Leben in Deutschland. Jüdisches Leben in Deutschland ist nicht nur Antisemitismusbekämpfung.”

Rabbiner Yehuda Teichtal und Frank-Walter Steinmeier begrüßen jüdische Kinder aus Odessa
Rabbiner Yehuda Teichtal vor Bücherwand
Synagoge von innen: leere Stuhlreihen, ein Podest mit Pult, an der Wand ein Thoraschrein, helles, ovales Oberlicht

“Unsere Synagoge ist mit 250 Plätzen viel zu klein. An unseren hohen Feiertagen 2022 hatten wir knapp 700 Menschen, an Jom Kippur 900 Menschen hier.” Rabbiner Yehuda Teichtal will im Westen von Berlin seine erst 2007 eingeweihte Synagoge deutlich vergrößern. “Dass die Synagoge dermaßen erweitert werden muss, ist ein Zeichen von Vertrauen”, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Die 2007 in Anwesenheit des damaligen SPD-Außenministers und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eröffnete Synagoge an der Münsterschen Straße war damals der erste Neubau eines jüdischen Gotteshauses in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Nun plant Teichtal den bislang größten Synagogenbau in ganz Deutschland seit dem Krieg. 

“Orthodox und offen”

Der 50-jährige gebürtige New Yorker Teichtal, der seit gut 26 Jahren in Berlin lebt und seit 2012 auch Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist, gehört zur jüdischen Bewegung Chabad Lubawitsch. Sie ist nach Auskunft von Teichtal nicht einfach eine orthodoxe Gruppierung im Judentum. “Wir sind orthodox und offen”, betont er und erläutert: “Wir respektieren alle Menschen, egal, ob sie jüdisch oder nichtjüdisch, heterosexuell oder homosexuell sind oder aus welcher Kultur sie kommen.”

Rund um ihre Synagoge ist seit 2007 ein jüdisches Bildungszentrum entstanden. Einige Schritte weiter laufen die letzten Arbeiten am “Pears Jüdischer Campus”, der im Juli eingeweiht werden soll und die “Jüdische Traditionsschule” und den Kindergarten aufnehmen soll, der derzeit noch in Containern untergebracht ist. 

Schon seit vielen Jahren wächst die Präsenz jüdischen Lebens in Berlin. Vor 30 Jahren kamen Juden aus der damaligen Sowjetunion, während der vergangenen zwölf Monate jüdische Geflüchtete aus der Ukraine. Aber auch junge Israelis, deren Vorfahren Berliner waren, vor den Nazis flohen oder Angehörige im Massenmord der Nationalsozialisten verloren, leben heute in der deutschen Hauptstadt. Teichtal spricht von “wachsendem jüdischen Leben in Berlin” und wachsendem Interesse an den Angeboten seiner Gemeinde. Er schätzt die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt auf rund 50.000.

Damit steht Berlin vor zwei großen Synagogen-Bauprojekten. In Kreuzberg soll die bei den Novemberpogromen 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge am Fraenkelufer während der nächsten Jahre komplett wiederaufgebaut werden, in Wilmersdorf steht die Erweiterung der Synagoge an. Teichtal sieht beides als “Zeichen des Aufblühens, der Vielfalt, der Lebendigkeit und ein Zeichen des Vertrauen. Jüdisches Leben ist: hier zu bleiben mit einem positiven, lebendigen Miteinander.” Zugleich soll der Raum, der bislang nach Osten ausgerichtet ist, künftig seine Achse gen Jerusalem haben.

“Vielfalt und Lebendigkeit”

Für die Synagogen-Erweiterung ist, wie schon für den Jüdischen Campus, das Berliner Büro von Tchoban Voss Architekten zuständig. Für den Synagogenbau rechnet Teichtal mit Kosten von 20 Millionen Euro, für die er auch auf öffentliche Unterstützung und Spenden setzt. “Die Spenden sind, ob groß oder klein, extrem wichtig. Wir können das alleine nicht schaffen und brauchen die Hilfe von allen.” Die Baukosten für den Jüdischen Campus sind, auch wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie, derweil auf 25 Millionen Euro gestiegen.

“Nicht hinter geschlossenen Kulissen”

Die Chabad-Bewegung unterhält vergleichbare Zentren in Städten weltweit. Ihre Synagoge in Berlin erreicht man – wie viele jüdische Einrichtungen in der Stadt angesichts regelmäßiger antisemitischer Vorfälle und Bedrohungen – durch eine Sicherheitsschleuse. Und doch setzt die Bewegung auf Offenheit des Projekts. “Es kann nicht sein, dass jüdisches Leben hinter geschlossenen Kulissen geführt werden soll und Menschen sich nicht trauen, sie zu besuchen”, sagt Teichtal.

Seine Einrichtung sei Ziel für Besucher aus ganz Deutschland, aber auch für internationale Gäste. Er erwähnt das geplante Restaurant und Bistro, das (schon bestehende) koschere Sushi-Angebot, geplante Lesungen und Filmvorführungen. “Das ist jüdisches Leben in Deutschland. Jüdisches Leben in Deutschland ist nicht nur Antisemitismusbekämpfung.”

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